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Bundestagswahl-Kandidaten: Bernhard Sander (Linke)
"Wir sind uns treu geblieben"

Bundestagswahl-Kandidaten: Bernhard Sander (Linke): "Wir sind uns treu geblieben"
Bernhard Sander sitzt seit 2009 im Wuppertaler Stadtrat. Zum Treffen mit der Rundschau am „Café Tacheles“ kam er mit dem Rad vom Ölberg zum Loh. FOTO: Rundschau / Simone Bahrmann
Wuppertal. Am 24. September ist Bundestagswahl. Die Rundschau trifft sich mit Wuppertaler Kandidaten – diesmal geht's um Bernhard Sander von den Linken. Von Stefan Seitz

Das "Café Tacheles" am Trassen-Bahnhof Loh hat der 62-jährige Angestellte und Diplom-Politologe Bernhard Sander sich nicht "einfach so" als Treffpunkt ausgesucht. Der Verein, der sich um die Beratung von Arbeitslosen und die Verteidigung ihrer Rechte kümmert, liegt der Linken am Herzen. "Armut per Gesetz": So sieht Sander alles unter dem Motto Hartz IV.

Auch an die Trasse selbst denkt der Mann, der aus Hagen stammt und seit 1989 in Wuppertal lebt: "Dieses Projekt haben weitgehend Leute gestemmt, die unter dem Hartz-IV-Regime leben müssen. Ich schäme mich, dass man gerade den Langzeitarbeitslosen keine besseren, unbefristeten Jobs anbietet, und dass eine Stadt ihre öffentliche Infrastruktur nicht ohne solche Unterstützung garantieren kann."

Bernhard Sander gehörte zu den Gründern der Linke-Vorgängerpartei WASG, trat nach 16 Jahren aus der SPD aus – als mit der "Agenda 2010" das auf die Schiene kam, was zur heutigen Hartz-IV-Welt führte.

Mit Blick auf den 24. September sagt er: "Ich will in den Bundestag, weil man die Städte anders aufstellen und ausstatten muss. Wuppertal ist zwar im ,Bündnis für die Würde der Städte', aber die Herren Mucke und Slawig haben keinen Rückhalt in ihren Parteien. Die Städte brauchen eine starke Stimme, die Linke."

Geld muss her – und zwar mehr. Die Linke will die Gewerbesteuer abschaffen, sie durch eine Gewerbewirtschaftssteuer ersetzen. Die würde auch auf Einnahmen durch Mieten, Pacht und Zinsen gezahlt, außerdem kämen alle Freiberufler mit ins Boot. Was brächte das? "Mehr Breite, mehr Unabhängigkeit von Konjunkturschwankungen, bessere finanzielle Planbarkeit für die Kommune", so Sander.

Wo soll die Wahlergebnis-Reise hingehen? Sander, der Frankreich und seinen Ölberg-Mietshausgarten liebt, hat eine Hoffnung: "Drittstärkste Kraft in Berlin." Und vor dem Mitregieren ist ihm nicht bange: "Ich würde einen Politikwechsel immer mittragen. Mit der SPD kann man an vielen Punkten gemeinsam etwas machen. Und eine Koalition auf vier Jahre ist ja keine Ehe auf ewig."

Sander sieht seine Partei in verlässlicher Kontinuität: "Wir sind uns treu geblieben. Das gesamte Spektrum der Menschen, die sich von ganz Linken bis ins bürgerliche Lager auf uns beziehen, hat uns nie vorgeworfen, wir hätten unser Programm verraten."

Da geht es um die Wiedereinführung der Vermögensteuer, die stärkere Besteuerung von hohen Einkommen und Erbschaften, eine Mindestrente von 1.050 Euro, das Zurückdrängen von Job-Befristungen und Minijobs – und vieles mehr. Sander mit augenzwinkerndem Humor: "Unsere Funktion ist es, die SPD an ihre eigenen Forderungen zu erinnern. Etwa damals beim Mindestlohn."

Und wie sieht es mit dem Thema Rechtspopulismus aus? "Die Verantwortung dafür liegt bei den Regierungsparteien und denen, die sie unterstützen, weil sie ihre Politik als alternativlos darstellen. Es gibt aber linke, solidarische Alternativen, die sich nicht auf Menschenfeindlichkeit gründen", sagt Sander. Und: "AfD & Co. kümmern sich nicht um das Elend armer Leute, sondern um gefühlte, in Wahrheit nicht reale Bedrohungen."

Der Wahlkampf läuft jetzt richtig heiß. Sander hat einen vollen Terminkalender: "Man trifft viele Menschen, die von der Regierungspolitik betroffen sind. Da muss man Positionen klar machen und bessere Alternativen anbieten, nicht nur hohle Phrasen." Dazu passt ein Erlebnis beim Plakatkleben am Wichlinghauser Markt: Ein Mann zeigt klare Ablehnung gegenüber den Linken. Sander hält dagegen: "Ich habe versucht, ihm deutlich zu machen, dass Deutschland ein Gerechtigkeits- und Umverteilungsproblem hat. Die Reichen geben den Ton an, und ein Asylbewerber hat weniger als ein ,Hartzer'. Das wusste er nicht."

Bringt sowas was? Sander überlegt: "50 Prozent aller Wähler sind noch unentschieden. Und denen, die immer sagen, man könnte ja sowieso nichts ändern, antworte ich: Wenn ihr uns schwach lasst, dann hört man euch auch nicht."

Die Rundschau-Radrunde
 
 
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