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Der ESC-Blog des Wuppertaler Musikexperten Peter Bergener
Topfavorit oder doch nicht?

Der ESC-Blog des Wuppertaler Musikexperten Peter Bergener: Topfavorit oder doch nicht?
Voller Einsatz auf der Bühne. FOTO: Peter Bergener
Wuppertal / Stockholm. Frankreich nimmt seit dem ersten Wettbewerb 1956 regelmäßig teil, setzte jedoch zweimal aus. Ich kann mich besonders an das ABBA-Jahr 1974 erinnern, als eigentlich Dani das Lied "La vie à 25 ans" singen sollte. Das Land zog die Teilnahme jedoch aufgrund des Todes von Staatschef Georges Pompidou zurück.

Frankreich konnte wie Großbritannien bereits fünfmal den Eurovisions-Sieg erlangen, jedoch liegen diese Siege schon lange zurück und rühren eigentlich vor allem aus der Zeit, als der "Eurovision Song Contest" noch "Grand Prix Eurovision de la Chanson" hieß. Der letzte Sieg war mit dem Lied "L-oiseau e l'enfant" - einfach wunderbar vorgetragen von Marie Myriam im Jahre 1977. Dieser Siegertitel war in Frankreich sehr erfolgreich und ist mittlerweile so eine Art "Volkslied der Franzosen". Ein kommerzieller Erfolg wurde vor allem jedoch das Lied "Tom Pillibi" von Jacqueline Boyer im Jahre 1960, welches sich europaweit in den Charts platzieren konnte.

Übrigens: Die uns in Deutschland sehr bekannte Französin France Gall gewann 1966 mit "Poupée de cire, poupée de son" nicht für Frankreich, sondern für Luxemburg.

Amir auf dem Roten Teppich. FOTO: Peter Bergener

Frankreich ist seiner Landessprache im Wettbewerb sehr treu, bisher wurden alle Beiträge zumindest teilweise in einer Landessprache vorgestellt, wobei dies nicht immer Französisch war. 1992 wurde der Beitrag "Monté la riviè" teilweise auf Kreolisch gesungen, im Folgejahr sang man "Mama Corsica" teils auf Korsisch. 1996 wurde der ganze Beitrag "Diwanit bugale" auf Bretonisch vorgestellt.

Nun, dieses Jahr wird es zwar wieder Französisch sein, aber mit einem englischen Element im Refrain, der aber in keinster Weise stört, sondern ideal zu dem Song passt. Der Vertreter Frankreichs ist Amir, sein Song heißt "J'ai cherché" ("Ich suchte").

(Fast) Generation Selfie: Amir (re.) mit Peter Bergener. FOTO: Peter Bergener

Amir Haddad wurde in Paris 1984 geboren und stammt aus einer jüdisch-arabischen Familie. Bis vor einer Woche wurde er noch als Sieger neben Russland gehandelt, doch nun nach den Proben gibt es eine große Anzahl von Leuten, die meckern. Man vermisst die Tänzer, die Show, aber ich kann es nicht verstehen, Amir trägt das Lied derart sympatisch vor und dieses Lied mit dem "Yoooooouuuuu" im Refrain lädt zum Mitsingen ein, dass es störend wäre, zu viel auf der  Bühne um sich herum zu haben. Aber so ist es halt. Ist es zu viel Show, dann meckert man; ist zu wenig Show, dann meckert man auch.

Ein Sieg für Frankreich wäre für mich auf meiner Wunschliste und hätte noch den Nebeneffekt, dass so ein riesiges Event in Paris stattfinden würde. Und das in dem Jahr von "Come together", nach den Anschlägen im November 2015 in Paris - ein Sieg von einem in Paris geborenen jüdisch-arabischen Sänger das wäre eine tolle Sache.

Schauen wir mal und drücken die Daumen für Amir. Manchmal werden Träume wahr!

Alors, à bientot, Euer Euro-music-Peter!

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