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Helios-Klinikum
Erstes Kunstherz in Wuppertal eingesetzt

Helios-Klinikum: Erstes Kunstherz in Wuppertal eingesetzt
Das Herz-Team freut sich über die gute Genesung seines Patienten Norbert Welter (2.v.li.). Im Bild (von li.): Dr. med. Runak-Ariane Köpfer (leitende Oberärztin Anästhesie), Prof. Dr. med. Herbert Vetter, Prof. Dr. med. Melchior Seyfarth sowie Dr. med. Herbert Probst (Praxis Kardiologie und Angiologie). FOTO: Helios
Wuppertal. Ist er "dem Tod von der Schippe gesprungen", wie man in solchen Fällen mitunter flapsig formuliert? "Ja", nickt Norbert Welter – und "so kann man das sehen", bestätigt auch Professor Herbert Vetter vom Helios-Herzzentrum am Arrenberg. Im Oktober hat man dort zum ersten Mal in Wuppertal ein neu entwickeltes Kunstherz implantiert, das die Pumpfunktion des menschlichen Organs ersetzt oder unterstützt. Von Hendrik Walder

Zum Schluss musste alles ganz schnell gehen, der Patient war nicht mehr ansprechbar – das Herz fast ohne Funktion. Zwei Monate später sitzt Norbert Welter mit am Konferenztisch, isst Kekse und freut sich seines Lebens, während ein "Kunstherz" das Blut durch seinen Adern fließen lässt.

Es war das erste Mal, dass in Wuppertal diese Implantation vorgenommen wurde, bei der das kranke Herz nicht entfernt, sondern mit einer kleinen Pumpe unterstützt wird. Dieses "VAD"-System bietet sich für Patienten mit schwerer Herzschwäche an, bei denen Bypässe oder Stents keine Lösung mehr darstellen. So wie bei Norbert Welter, dessen verkalkte Herzkranzgefäße das Blut nicht mehr durch den Körper transportieren konnten. Und dem in dieser Situation fast nur noch ein Spenderherz hätte helfen können.

Doch exakt 50 Jahre nach der ersten erfolgreichen Herztransplantation in Kapstadt durch Professor Bernard gibt es ein Problem, das sich medizinisch immer noch nicht lösen lässt: Es gibt einfach zu wenig Herz-Spender. Deswegen können in ganz Deutschland jährlich nur gut 300 Herzen verpflanzt werden, sagt Professor Herbert Vetter, der Chefarzt der Helios-Herzchirurgie. Und vielen älteren, schwer herzkranken Menschen steht dieser Weg nicht mehr offen. Für den 64-jährigen Welter, der zuletzt mit Atemnot und Wassereinlagerungen kurz vor der künstlichen Beatmung stand, eine hochdramatische Situation, in der die Helios-Ärzte am Arrenberger Herzzentrum nur noch die Möglichkeit des "Kunstherz"-Einsatzes sahen.

Unterhalb des Herzens wird die kleine Pumpe an die linke Herzkammer angeschlossen. FOTO: Helios

Dabei konnten sie unter anderem auf die Erfahrung von Professor Vetter bauen, der bereits 1992 Leiter des OP-Teams war, als in München europaweit erstmals diese Technik eingesetzt wurde. Die damals verwendeten, über zwei Kilo schweren Geräte unterstützten ebenfalls die Pumpfunktion der Herzens, wurden aber extern angeschlossen und hielten in der Regel nur zwei Jahre, dann waren die beweglichen Teile verschlissen.

Deutlich kleiner, leiser und effektiver ist der nur 160 Gramm schwere Metallkörper, mit dem Norbert Welter seit Oktober lebt. Er wurde an die linke Herzklammer angeschlossen und sorgt mit einer archimedischen Schraube, die wie ein winziges Schaufelrad arbeitet, für eine kontinuierliche Blutzirkulation. Das führt zu einer verblüffenden Begleiterscheinung: Das Blut wird nicht gepumpt, sondern es fließt wie in einer Wasserleitung. "Sie fühlen bei Herrn Welter keinen Puls", erläutert Professor Melchior Seyfarth, der Chefarzt der Kardiologie: Der Blutdruck wird aufgrund dessen mit speziellen Sonartechniken ermittelt.

Die nötige Energie für die Pumpe liefern zwei Akku-Batterien, die Außer-Haus-Aufenthalte bis zu zwölf Stunden ermöglichen, ansonsten "schließe ich mich regelmäßig über ein Verlängerungskabel an verschiedene Steckdosen an", hat sich Welter schnell an die erforderlichen Abläufe gewöhnt. Untergebracht sind die Batterien an einem Gürtel, der auch ein Steuerungsgerät beherbergt und der ihm zu einem ständigen Begleiter geworden ist. "Eigentlich fühle ich mich damit wie mit dem Brustbeutel in Mallorca am Strand", lacht der ehemalige Schadensregulierer einer Versicherung.

Seit acht Wochen arbeitet das Kunstherz in seiner Brust, die Reha hat er bereits absolviert. Wie er sich fühlt? "Topfit und natürlich total happy", denn diese Maßnahme war seine letzte Chance – dessen ist er sich bewusst.

Es ist naheliegend, dass der Erfolg nicht ohne großen Aufwand zu erzielen ist. "Ein solcher Eingriff erfordert ein nahtloses Ineinandergreifen von Herzchirurgie, Kardiologie und Anästhesie", erklärt Professor Vetter. Die Lungenfunktion ist ein Hauptproblem, die geeignete Narkose ein weiteres, auch die Blutgerinnung muss beachtet werden. "Längst nicht jeder Patient eignet sich für die Einsetzung eines Kunstherzen", sagt Seifarth, und er räumt offen ein, "wir verlieren auch Patienten." Aber mit dem in Wuppertal benutzten Modell lebt in Hamburg ein Empfänger bereits seit neun Jahren.

Auch vor diesem Hintergrund sowie der gewonnenen Lebensqualität und der verminderten Medikation ist der Eingriff sicher die 65.000 Euro wert, die er kostet. Und die auch damit zusammenhängen, dass ein insgesamt 20-köpfiges Team damit befasst ist. Das freut sich unterdessen mit Norbert Welter über die gelungene Implantation. Schließlich möchte man bei Helios mit diesem System, das nur wenige Krankenhäuser anbieten, zu einem überregionalen Zentrum werden. Gegenwärtig würden die Kapazitäten schon ausreichen, um alle drei Wochen einen Patienten mit einem "Kunstherz" zu versorgen.

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