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Aus dem Tagebuch der Redaktion
Alles, was man wissen muss

Aus dem Tagebuch der Redaktion: Alles, was man wissen muss
Rundschau-Redakteur Stefan Seitz. FOTO: Bettina Osswald
Wuppertal. Am 24. September ist Bundestagswahl. Talkshows und überregionale Medien fragen zurzeit gern: Wie wenig Stimmen bekommt die SPD, wie viele die AfD?

Um letztere Partei geht in einem ganz aktuellen Buch, das mir beinahe entgangen wäre. Drauf aufmerksam gemacht hat mich mein Freund und Kollege Peter Klaus: "Alternative für Christen? Die AfD und ihr gespaltenes Verhältnis zur Religion", herausgegeben von Wolfgang Thielmann und im (evangelischen) Neukirchener Verlag für 17 Euro erschienen, bietet auf 190 Seiten 13 Beiträge mit breit gefächertem (Nach-)Denk- und Diskussionsmaterial. 

Für Wuppertal(er) ist das Buch auch deswegen interessant, weil als Autoren der evangelische Rheinland-Präses (und Wuppertaler) Manfred Rekowski, Wuppertals Superintendentin Ilka Federschmidt sowie der umstrittene Südstadt-Presbyter und AfD-Landtagswahlkandidat Hartmut Beucker vertreten sind. 

"Alternative für Christen?" stellt viele Fragen. Ob die AfD eine demokratische Partei ist, wo ihre Wurzeln sind, ob AfD-Funktionäre in Kirchengremien mitarbeiten können. Wie man die Auseinandersetzung führen kann mit einer Partei, die gegen Flüchtlinge und Moslems polemisiert, Europa ablehnt und ein hochproblematisches Verhältnis zur freiheitlichen Gesellschaft mit unabhängigen Medien hat. Dabei geht es oft darum, ob es denn Sinn macht, mit der AfD zu reden und/oder sie zu politischen Veranstaltungen einzuladen. In Wuppertal hatte das nach einem gescheiterten Abend im "Swane-Café" Anfang März zu tiefen Verwerfungen geführt. 

"Alternative für Christen?" ist ein so starkes, wichtiges Buch, weil es das repräsentiert, was Stärke und Bedeutung unserer Demokratie ausmacht: Vielfalt (auch die einer über ihre 15 Seiten schwer erträglichen Tunnelblick-Ausblendungshaltung des AfD-Mannes Beucker), Nachdenklichkeit, Unterschiedlichkeit der Positionen, Offenheit – kurz gesagt: Freiheit. 
Aber keine Drumherum-Gelaber-Freiheit, sondern eine, die klar, christlich, selbstbewusst bleibt. Ganz besonders hervorzuheben der Text von Markus Dröge, Bischof der evangelischen Landeskirche Berlin-Brandenburg: 20 Seiten, auf denen jedes(!) Wort von immenser "klarer Kante" und chirurgenexakter Analyse zeugt. An alle, die sich mit AfD und/oder dem Rechtspopulismus allgemein auseinandersetzen müssen oder wollen: Unbedingt lesen! Da drin steht alles, was man wissen muss. 

Zum Schluss: "Alternative für Christen?" ist definitiv nicht nur ein Buch für Christen. Auch wer mit dem Glauben wenig am Hut hat, findet hier viel. Weil (Mit-)Menschlichkeit, Nicht-Ausgrenzung, Zuhören, Helfen, Wahres sprechen und vieles mehr, was mit Jesus Christus, Gott & Co. in Verbindung gebracht wird, eben für alle von großer Bedeutung ist. Und weil man lesend sozusagen live den Unterschied zwischen Verbohrtheit und echter Diskussionskultur erlebt. 

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