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Aus dem Tagebuch der Redaktion
Keine schöne Assoziation...

Aus dem Tagebuch der Redaktion: Keine schöne Assoziation...
Unsere Volontärin Hannah Florian, Wahl-Wuppertalerin und Exil-Gladbeckerin, äußert sich zum ARD-Zweiteiler "Gladbeck". FOTO: Foto: Redaktion
Wuppertal. Unsere Volontärin Hannah Florian ist Wahl-Wuppertalerin, Exil-Gladbeckerin, und bisher damit ganz glücklich. Doch der ARD-Zweiteiler "Gladbeck" über das Gladbecker Geiseldrama geht auch an ihr nicht spurlos vorbei. Welches Bild bekommt denn jetzt der Rest der Welt von ihrer kleinen Heimatstadt?! Darüber schreibt sie in unserem "Tagebuch der Redaktion".

"Gladbeck" heißt der Zweiteiler, der Mittwoch (7. März 2018) und Donnerstag (8. März 2018) in der ARD läuft. Minutiös wird das Gladbecker Geiseldrama von 1988 dokumentiert, das mehrere Todesopfer forderte. Auf ihrer Fluchtroute kamen die beiden Entführer Degowski und Rösner auch in Wuppertal vorbei, und so passiert es, dass ich als 27 Jahre alte Exil-Gladbeckerin 30 Jahre später in meiner Wahlheimat Wuppertal am Frühstückstisch sitze und im Radio nur von Gladbeck die Rede ist. Normalerweise freue ich mich immer, wenn ich in der Stauschau den Namen meiner Heimat höre ("Mal wieder Stau auf der B242 zwischen Essen und Gladbeck"), aber heute ist es anders. Heute geht es nicht um Stau, sondern um ein schreckliches Attentat, ein Geiseldrama. Und ab heute denkt wirklich jeder, über Gladbeck Bescheid zu wissen. Ihr Wuppertaler, ihr habt eure Schwebebahn, und wir Gladbecker? Wir haben jetzt hochoffiziell das Geiseldrama.

Bisher haben eher Menschen älterer Generationen meine Heimat automatisch mit dem Geiseldrama verknüpft. Als ich vor sechs Jahren nach Wuppertal zog, wurde ich sofort von einem älteren Nachbarn nach meiner Heimatstadt gefragt. Auf die Antwort "Gladbeck" kam direkt: "Ach das Geiseldrama.." Keine schöne Assoziation. Bei den jüngeren Generationen sah es bisher immer anders aus. Beim Stichwort "Gladbeck" kam nur: "Ach, da wo Heidi Klum herkommt?" Ähm, nein, die kommt aus Bergisch Gladbach – aber egal.

Wenn man jetzt Gladbeck bei Google eingibt, kommt der Wikipedia-Eintrag über das Geiseldrama noch vor der Stadt-Website "Willkommen in Gladbeck" – na toll. Normalerweise bin ich nicht sehr heimatverbunden. Ich mag Gladbeck, aber ich habe schon früh gesagt, dass ich dort nicht alt werden und sicher nicht zurück ziehen möchte. Aber dieser Medienrummel um meine schöne kleine Stadt geht selbst an mir nicht spurlos vorbei. Da wird der Gladbeck-Patriotismus in mir wach. Und die Aufregung des Bürgermeisters darüber, dass die Filmemacher der Dokumentation nicht einen schmissigen Titel wie "Das Geiseldrama" oder "Rösner und Degowski" gegeben haben, kann ich absolut nachempfinden. Ich finde das auch "bescheiden".

Das Problem ist: Gladbeck hat neben dem Wasserschloss Wittringen sonst schon nicht viel zu bieten, und jetzt wird unsere traurige Berühmtheit auch noch durch diesen niederschmetternden Filmtitel weiter gedrückt.

Ich will nur sagen: Liebe Wuppertaler, macht euch selbst ein Bild, kommt nach Gladbeck, besucht das Wasserschloss, macht eine kleine Paddelbötchen-Tour und esst ein Stück Kuchen in "Mein Café" (da arbeitet nämlich meine Mama) – und überzeugt euch selbst: Gladbeck ist doch ein bisschen mehr als ein Geiseldrama.