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Nach Toreschluss - die Wochenendsatire
Besuch vom Götterboten

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire: Besuch vom Götterboten
Roderich Trapp. FOTO: Bettina Osswald
Wuppertal. Wenn man einen Paketdienst nach einem Götterboten benennt, weckt das natürlich hohe Erwartungen bei den Empfängern. Insofern war ich etwas enttäuscht, als ich neulich eine Benachrichtigung eben dieses Paketdienstes in unserem Briefkasten fand.

Auf dem Vordruck hatte der Götterbote handschriftlich im Vermerke-Feld die folgenden, zutiefst beeindruckenden Worte notiert, die ich hier in der unveränderten Originalform wiedergebe: "paket vor dem TüR Neben den Mühl"

Nicht nur Deutschlehrer werden auf Anhieb erkennen, dass dieser Hinweis sprachlich noch Luft nach oben hat. Aber im Zuge der heute ja eher fördernden als fordernden Pädagogik formuliere ich es lieber positiv: Lieber Götterbote, da ist schon wirklich ganz viel Richtiges dabei. Zum Beispiel das Wort Paket, an dem ich rein gar nichts auszusetzen habe, auch wenn ältere Menschen wie ich immer noch dazu neigen, es mit einem großen P zu schreiben.

Unabhängig vom großen oder kleinen P muss man aber die Frage stellen dürfen, ob das "paket vor dem TüR" richtig liegt. Grammatikalisch eher nicht. Und rein zustelltechnisch wohl auch nicht. Zumal man es ja erst noch "Neben den Mühl" suchen muss.

"Neben den Mühl" erinnert mich von der Wortmelodie her an dunkle Stunden während des Studiums, in denen ich unter Gedichten aus dem mittlehochdeutschen Minnesang gelitten habe. Nun ist es aber so, dass unser bescheidenes Zuhause gar nicht über eine Mühle oder vergleichbare Mahlwerke für Getreide oder Oliven vor der Tür verfügt. Und vor "dem TüR" (wer auch immer das sein soll) auch nicht. Obwohl die Vorstellung, so ein lauschiges Bächlein mit munter plätscherndem Mühlrad gleich neben dem Eingang zu haben wirklich verlockend ist. In Wirklichkeit stehen dort aber die Mülleimer, neben die der Götterbote das Paket drapiert hatte.

Fassen wir also mal zusammen: Von den insgesamt sieben Wörtern der Götterbotschaft zum Verbleib des Paketes war immerhin das "vor" in keiner Weise zu beanstanden. Die anderen sechs sind an sich auch nicht völlig falsch, aber eher ungeschickt konfiguriert. Das gilt in ähnlicher Form für die Lösung, die der Zusteller für die Ablage der Sendung gewählt hat. Jeder Bommel hätte sie nämlich im Vorübergehen einsacken können.

Das ist zum Glück nicht passiert. So bleibt mir kein ärgerlicher Totalverlust, sondern nur dieser eine, wirklich epochale Satz jetzt für immer unauslöschlich im Gedächtnis: "paket vor dem TüR Neben den Mühl". Aber vielleicht waren ja meine Erwartungen auch einfach nur zu hoch. Denn der fragliche Götterbote war in der Antike zwar neben Transport und Verkehr auch für die Redekunst zuständig. Von Schreibkunst jedoch ist nichts überliefert ...

Bis die Tage!

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