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Nach Toreschluss – die Wochenendsatire
Der Biber-Skandal

Rundschau-Redakteur Roderich Trapp. FOTO: Bettina Osswald
Wuppertal. Am Donnerstag war der offizielle Tag des nutzlosen Wissens. Dabei stellt sich natürlich die Frage: Was ist eigentlich nutzloses Wissen? Wahrscheinlich sowas wie: Es ist nutzlos zu wissen, dass ich im Herbst eine neue Bundesregierung gewählt haben, wenn die gar nicht gebildet wird.

Oder: Es ist nutzlos zu wissen, dass es auch in Wuppertal Sonnenschein gibt, wenn ich während der einzigen drei Minuten seines Auftretens in den letzten vier Wochen auf dem Klo war.

Anderes Wissen wäre möglicherweise nützlicher, ist aber für mich nicht verfügbar. Ich weiß zum Beispiel so gut wie nichts über Bettzeug. Können Sie mir zum Beispiel mal erklären, was der Unterschied zwischen einem Oberbett und einer Bettdecke ist. Sowas lernt man ja nicht in der Schule. Jahrelang dachte ich deshalb, Oberbett wäre der obere Teil eines Etagenbettes. Tatsächlich handelt es sich aber scheinbar um eine Bettdecke, die aus unerfindlichen Gründen nicht so heißt.

Als ich neulich so eine im Fachhandel erwerben musste, war ich angesichts des damit verbundenen Fragenkatalogs überfordert. Ob ich eher ein Steppbett oder eine Duo-Einziehdecke benötige, wollte man wissen. Oder ob ich gar eine Vierjahreszeitendecke bevorzuge, die dank Sandwich-Verfahrens auch während des Sommers und für den Übergang tauge. "Am liebsten hätte ich eine, unter die ich mich drunterlegen kann", ließ ich wissen und ging schließlich mit einem Premium-Modell nach Hause, das sogar über zwei Zentimeter breite Innenstege verfügt, wie mir die Verkäuferin stolz versicherte. Möglicherweise kann ich an denen nachts meine noch zu erwerbende Motoryacht vertäuen – Luxus pur!

Nun weiß aber selbst ich, dass man so ein Oberbett vor der Benutzung noch in einen Bettbezug packen muss. Skrupellose Menschen nehmen dafür Biber-Bettwäsche. Das halte ich für einen Skandal. Die armen Tiere – gnadenlos verfolgt, weil man aus ihnen diese ganz spezielle Bettwäsche machen kann. Biber-Bettwäsche werden Sie kennen: Es handelt sich um Bettdecken und Betttücher, die durch ihre besondere Beschaffenheit dafür sorgen, dass man selbst bei Schlafzimmertemperaturen nahe dem Gefrierpunkt noch im eigenen Saft liegt. Das selbstaufheizende Material kann sogar eiskalte Frauenfüße wieder in Richtung 32 Grad und mehr erwärmen, was jahrhundertelang als nahezu unmöglich galt. Wer keine Skrupel hat, dass dafür offensichtlich kleinen Nagern das dichte Fell abgezogen werden muss, wird also in Biber-Bettwäsche niemals frieren.

Ein naher Verwandter des Bibers ist das ebenfalls bedauernswerte Frottee, aus dem vorzugsweise Bademäntel und Schlafanzüge gemacht werden. Über Aussehen, Aufzucht, Haltung oder gar Schlachtung des Frottees, das wegen seines besonders weichen Fells sehr geschätzt wird, weiß die Öffentlichkeit wenig. Genau genommen wird das Frottee komplett vor der Außenwelt verborgen. Sicher aus gutem Grund. Man muss förmlich befürchten, dass die kleinen Pelzwesen zum Wohle der Konsumgesellschaft in Massenfrotteehaltung gemästet und stündlich geföhnt werden, bis sie der kommerziellen Nutzung zugeführt werden. Kaum ein Verbraucher, der sich morgens nach dem Aufstehen in seinen Frotteebademantel schmiegt, macht sich darüber Gedanken. Ähnlich wie beim Biber wird der Artenschutz einfach weggekuschelt.

Frottee ist doch gar kein Tier, werden Sie mir jetzt möglicherweise entgegen halten. Da liegen Sie aber gründlich falsch! Die schamlosen Händler entlarven sich in diesem Punkt doch selbst: Die sprechen nämlich gerne auch ganz schamlos von "Frottierwaren".

Da mal einzugreifen,wäre eigentlich ein Fall für den Landwirtschaftsminister in der neuen Bundesregierung. Aber wenn wir den endlich kennen, ist das wahrscheinlich auch schon wieder unnützes Wissen, weil die Legislaturperiode ein paar Wochen später rum sein dürfte ...

Bis die Tage!