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Nach Toreschluss - die Wochenendsatire
Ein veganer Grillabend

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire: Ein veganer Grillabend
Roderich Trapp. FOTO: Bettina Osswald
Wuppertal. Wenn Sie versprechen, mich nicht bei den Vegetariern zu verpetzen, verrate ich Ihnen mal was: Ich grille echt gerne Fleisch. Vor allem Gutes von Tieren, die in ihrem Leben mehr gesehen haben als eine Legebatterie oder einen Stall mit mehr Rindern als Quadratmetern.

Nun ist es aber so, dass wird dieses Jahr auch im Hinblick auf die potenziellen Grillabende einen echten Rekordsommer haben, so dass man am Rost irgendwann auch ein bisschen experimentierfreudig wird. Warum also nicht mal mit ein paar ebenfalls neugierigen Freunden komplett vegan grillen?

Zu diesem Behufe ging ich diesmal im einschlägigen Handel am Bio-Rind vorbei, schaufelte stattdessen eine größere Auswahl eigens dafür konstruierter tierfreier Produkte ins Einkaufskörbchen und ging zur Kasse. Der Rechnungsbetrag war zwar nicht vegan, weil der Fleischersatz teilweise schweineteuer ist, aber dafür hatte ich wenigstens ein nachhaltig blütenreines Konsumentengewissen.

Des Abends kam zunächst der Grüne-Erbsen-Masala-Bratling zum Einsatz. Ausweislich seiner Produktbeschreibung ein höchst wertvoller Burger-Ersatz voller Gemüse und sogar mit Kichererbsen für die gute Laune. Leider tat er sich etwas schwer, auf dem Grill auch Farbe anzunehmen. Erst nach geraumer Zeit registrierten die interessiert um den Grill versammelten kulinarischen Probanden eine angemessene Bratlings-Bräunung und freuten sich auf einen ersten Probehappen.

Dem stand allerdings der bedauerliche Umstand entgegen, dass sich der vegane Klops unter zarter Einwirkung einer Grillzange in sämtliche gemüse- und sonstige Bestandteile auflöste, deren größter Teil dann munter durch den Rost purzelte. Vom dergestalt dezimierten Rest des Erbslings war die Testgesellschaft nur begrenzt begeistert. Aber da hatten sie ja auch noch nicht den zweiten Gang in Gestalt eines Lupinenburgers gegessen.

Dessen Grundsubstanz ist die Wolfsbohne, bei der es sich um eine Unterfamilie der Schmetterlingsblütler innerhalb der Familie der Hülsenfrüchtler handelt. Das hört sich nicht zwingend nach etwas an, in das man sofort reinbeißen müsste. Möglicherweise hat man deshalb dem Lupinenburger noch zahlreiche weitere Gemüsezutaten eingepflanzt, die theoretisch zu einem auskömmlichen Geschmackserlebnis führen müssten.

Nun weiß ich nicht, ob Sie schon einmal in eine Styroporplatte gebissen haben. Sollten Sie das aber gerne mal probieren wollen und gerade keine zur Hand haben, können Sie auch einen Lupinenburger nehmen. Für das Resultat dieses zweiten Grillversuchs hat der Wuppertaler schon lange vor der Erfindung veganer Bratlinge den Begriff "drögen Pröff" geprägt.

Im Bewusstsein, dass dieser kulinarische Tiefschlag eigentlich nur unserer mangelnden veganen Grillpraxis geschuldet sein konnte, legten wir noch ein Steak aus Seitan nach. Seitan ist leider kein japanisches Dorf, in dem die weltberühmten Kobe-Rinder gezüchtet werden, sondern eine Substanz, die im Wesentlichen aus Weizeneiweiß besteht.

In der Fachliteratur wird Seitan als komplett geschmacksneutral beschrieben. Wie ich jetzt weiß, ändern daran auch außen montierte Pfefferkörner und Erhitzen auf dem Grill nichts. Das gräulich-kompakte Innenleben des furztrockenen Seitan-Steaks hätte jeder Zahnarzt als Ersatz für den Speichelsauger nutzen können.

Ich gebe aber nicht auf: Wir haben noch einen Grünkohl-Bratling im Kühlschrank. Den grillen wir morgen. Heute gippt erstmal wieder Fleisch ...

Bis die Tage!

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