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Nach Toreschluss – die Wochenendsatire
Früher war mehr Lametta

Nach Toreschluss – die Wochenendsatire: Früher war mehr Lametta
Rundschau-Redakteur Roderich Trapp. FOTO: Bettina Osswald
Wuppertal. In der Barmer City gibt es das legendäre Haushaltswarengeschäft Strasmann, das wirklich alles hat, was andere längst nicht mehr haben. Diese Woche habe ich da den Nikolaus getroffen. Er kaufte sich eine neue Rute. Die alte ist kaputt gegangen, weil er am 6. Dezember alle Leute vertrimmen musste, die die Organisation unserer Weihnachtsmärkte in den Sand gesetzt haben. Das waren einfach zu viele.

Umso schöner, dass es plötzlich doch noch gute Nachrichten von den Wuppertaler Weihnachtsmärkten gibt: Eine Untersuchung der Dating-App Jaumo hat nämlich ergeben, dass auf dem Wuppertaler Weihnachtsmarkt die Flirtchancen für Singles besonders gut sind. Innerhalb von zwei Wochen haben 391 Nutzer der App, mit der man auf einen Klick passende Partner in der unmittelbaren Umgebung finden kann, statistisch betrachtet hier tatsächlich jeweils exakt 1,04 Treffer gehabt. Unter den 35 ausgewerteten Weihnachtsmärkten wurden nur in Heidelberg noch mehr Menschen unter dem Motto "Vom Cyberspace hoch, da komm' ich her" digital zusammengeführt.

Mit Blick auf den dieses Jahr nur mäßig glanzvollen Elberfelder Weihnachtsmarkt stellt sich allerdings die Frage, wie es eigentlich weitergehen soll, wenn sich aus dem atemberaubenden Dunst des Standes mit den großen Pilzpfannen plötzlich der passend gematchte Jaumo-User materialisiert. Was könnten die beiden dann anstellen? "Sollen wir unsere Kreditlinien zusammenlegen und uns gemeinsam eine Kesselwurst für 4 Euro finanzieren lassen?", würde die Dame vielleicht sagen. "Ach, für den Preis können wir eigentlich besser selbst ein Schwein schlachten und wursten", würde der Partner dann wohl antworten. Aber das wäre für ein erstes Date ja nur mäßig romantisch. Sehr besinnlich wäre es dagegen, sich neben die ständerlos und ohne jede störende Dekoration an Laternen und Pfosten gebundenen Tannenbäume zu stellen, die Hand des anderen zu nehmen und sich zärtlich ins Ohr zu flüstern: "Früher war mehr Lametta ..."

Möglicherweise wird unser Pärchen dann von den Emotionen überwältigt und füttert sich gegenseitig mit den allerdings eher aus dem griechisch-orthodoxen Raum kommenden Weihnachtsspezialitäten am Foodtruck von Gyros-Theo. Von hier aus sind es nur noch wenige Meter bis zu Wuppertals bestem Glühweinstand, der zur Strafe jedes Jahr an der zugigsten Stelle Elberfelds aufgestellt wird. Beseelt von der heißen Mischung mit Schuss könnte unser Jaumo-Pärchen spontan auf die Idee kommen, ein Kind zu zeugen, das dann auf der tragischen Kindereisenbahn am Von-der-Heydt-Platz für nur zwei Euro seine Runden durch den liebevoll aus einer Art Gartenpavillon gebastelten Tunnel-Angstraum drehen darf ...

Wenn Sie doch lieber analog einen Partner finden wollen, hätte ich da übrigens noch einen Elberfelder Flirt-Tipp. Diese Woche haben die Stadtwerke endlich zwei Bus-Wartehäuschen an der Morianstraße aufgestellt. In die passen ungefähr je acht der hier ständig ohne Dach über dem Kopf wartenden 100 Menschen rein. So kommt man sich bei Schneeregen automatisch schön nahe. Leider waren bei einem dieser Meisterwerke der temporären Architektur schon bei Anlieferung zwei von vier Scheiben kaputt. Deshalb können Sie hier ganz prima mal jemand Nettes, der auch im Durchzug steht, fragen, ob er sie vielleicht warmrubbelt. Weihnachten ist schließlich das Fest der Liebe.

Bis die Tage!

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