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Nach Toreschluss - die Wochenendsatire
Grippewelle

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire: Grippewelle
Rundschau-Redakteur Roderich Trapp. FOTO: Bettina Osswald
Wuppertal. So, jetzt surfe ich also auch auf der Grippewelle. Aus Diskretionsgründen kann ich nicht sagen, wer mich angesteckt hat. Ich verrate nur so viel: Es handelt sich um eine nahe Verwandte, mit der ich verheiratet bin und die jetzt zur Strafe immer noch zusammen mit mir flach liegt und hustet. Von Roderich Trapp

Aus der Siechtums-Reklame im ZDF wissen wir nur, dass es 37 Arten von Kopfschmerzen gibt. Über Hustensorten hört man dagegen wenig. Dabei ist das eine faszinierende Welt, in die ich jetzt tief eintauchen durfte. Neben mir auf dem anderen Sofa höre ich gerade einen trockenen Stakkato-Husten mit metallisch rasselndem Ausklang, der mich spontan an das letzte Interview des sich weitgehend von Menthol-Zigaretten ernährenden Helmut Schmidt erinnert. Ich selbst habe aktuell von einzelnen blaffenden Husten-Eruptionen mit anschließender Atemnot auf einen soliden Würfelhusten mit Auswurf umgestellt.

Und im Wartezimmer unseres Hausarztes erlebte ich erstmals den so genannten Schnusten, bei dem man absolut gleichzeitig Niesen und Husten muss.

Wo wir schon beim Thema Wartezimmer sind: Als ich jetzt auf dem Höhepunkt der Grippewelle da reinkam, fragte ich mich spontan, ob die nächste Staffel von "The Walking Dead" möglicherweise im Bergischen gedreht wird. Leichenblasse Gestalten mit blutunterlaufenen Augen belagerten die Arzthelferin an der Anmeldung und produzierten dabei sprachähnliche Grunzlaute, wie sie sonst nur beim Auftritt von Godzilla aus dem Subwoofer unserer Heimkinoanlage kommen.

Anschließend schleppten sie sich auf der Suche nach nicht mehr vorhandenen freien Stühlen durch den überfüllten Raum und stierten die anderen Zombies mit glasigen Blicken an, ehe sie vom nächsten Hustenkrampf gepackt und im Kreis herumgewirbelt wurden. Auch bei längerer Wartezeit kein Grund zur Beschwerde – man ist ja einer von ihnen.

Trotzdem ist es dann durchaus erlösend, statt einer Armee lokaler Untoter den Arzt vor sich zu haben. Zumal er mir eröffnete, dass ich dank überschaubarer Schwere des Grippefalls keine dollen Medikamente nehmen, sondern nur sehr viel trinken muss. "Am besten so viel, bis Sie das Gefühl haben, es kommt wieder raus", lautete seine Anweisung. Sowas lief bei uns mit 16 noch unter Wochenend-Gestaltung und ist jetzt ein Heilmittel – die Zeiten ändern sich wirklich.

Apropos Heilmit Gerade bei Husten greifen ja viele auch noch zu den ganzen Medikamenten mit diesen komischen Namen Marke Hustisolvan, Bronchispotz oder Schleimolax. Können Sie gerne mal nehmen, um zu sehen, wogegen sie alle nicht helfen. Wovor ich aber ausdrücklich warnen muss, ist der Bronchial-Tee aus Wurzelextrakten, den ich mir gerade habe aufschwatzen lassen. Er schmeckt ungefähr so, als hätte jemand Filtrat aus dem Klärwerk Buchenhofen mit fermentiertem Fenchel angereichert.

In diesem Zusammenhang mal eine Frage: Welcher Birnemann ist eigentlich auf den Begriff "krank feiern" gekommen?

Bis die Tage!

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