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Nach Toreschluss – die Wochenendsatire
Lebensmittelbeleidigungen

Nach Toreschluss – die Wochenendsatire: Lebensmittelbeleidigungen
Rundschau-Redakteur Roderich Trapp. FOTO: Bettina Osswald
Wuppertal. Viele Leute sagen ja, Donald Trump sei total Banane. Das finde ich unfair - gegenüber der Banane. Was hat die Banane verbrochen, dass sie mit Trump auf eine Stufe gestellt wird? Von Roderich Trapp

Sie hat vielleicht dieselbe Farbe wie der US-Präsident, scheint mir aber ansonsten evolutionär das insgesamt deutlich höher entwickelte Produkt zu sein: Bananen sind nur leicht gekrümmt und weitgehend sehr gut verdaulich, Trump ist dagegen ein ziemlich schräger Fürst und im Großen und Ganzen ungenießbar.

Das bringt uns zum oft unterschätzten Problem der leichtfertigen Verwendung von Lebensmitteln als Beleidigung. Sie werden das kennen: Wie schnell rutschen einem in diesen Tagen Sätze raus wie "Martin Schulz ist eine Bratwurst". Ein absoluter Affront gegen die Wurst an sich, die in Deutschland eigentlich doch hoch anerkannt und in Kombination mit Currysoße sogar statistisch unser absolutes Lieblingsessen ist.

"Wie kann mir sowas bloß passieren?", wird sich deshalb nicht nur die Wurst, sondern insbesondere auch die Nuss fragen. Letztere ist nämlich beleidigungsmetaphorisch noch viel schlimmer dran: Dumme Nuss, doofe Nuss, taube Nuss, blinde Nuss – es ist kaum zu fassen, für welches Panoptikum an Beschimpfungen die edle Königin der Schließfrüchte herhalten muss. Dabei hat sich die Nuss meines Wissens nach nichts zu Schulden kommen lassen, was diesen Namensmissbrauch rechtfertigen würde.

Doof sind Nüsse eigentlich nur, wenn man keinen Knacker hat. Aber in diesem Fall ist ja eher der gescheiterte Nuss-Esser dumm wie Brot, womit wir beim nächsten Problem wären: Wie kommen wir darauf, dass Brot dumm sein soll? Haben Sie etwa schon mal versucht, eine Scheibe Pumpernickel einem Intelligenztest zu unterziehen? Selbst wenn, könnte ich mir vorstellen, dass sich das Ergebnis nicht wesentlich von dem anderer Probanden aus der Zielgruppe einschlägiger Privatfernseh-Nachmittagssendungen der Kategorie "Verdachtsfälle", "Betrugsfälle" oder demnächst wahrscheinlich "Totalausfälle" unterscheidet. Deren Laiendarsteller sind jauch so echte Schauspiel-Gurken.

Ups, da haben wir ja schon das nächste Opfer: die Gurke! Ein so vielseitig verwendbares Kürbisgewächs, das als Salatgurke zur gesunden Ernährung beiträgt und als Gewürzgurke pikanten Genuss verspricht – wie konnte es bloß zum Synonym für schlechte Autos und Fußballer wie Mario Gomez werden? Und was haben mehrere Gurken auf einmal – also eine Gurkentruppe – bloß mit der SPD zu tun? Rätsel über Rätsel ...

Übrigens haben wir auch lokal ein schwer getroffenes Lebensmit die Mutze. Gerade jetzt, wo sie an Karneval wieder so schön goldgelb in vielen Bäckereien lag, fragte ich mich nicht nur, wieso sie in der Mitte eigentlich mit "t" und nicht mit "h" geschrieben wird, sondern auch, warum wir bei uns bräsige Frauen als Mutzen bezeichnen? Die fraglichen Modelle sind doch weder knusprig noch zuckersüß.

Sprachlich unsensible Menschen werden angesichts meiner Betrachtungen möglicherweise sagen: "Der Trapp hat einen am Appel" – und sich damit selbst entlarven! Haben ihnen Boskop und Granny Smith jemals was getan? Nein? Sehen Sie, Sie Pflaume! Oh, ich muss mich entschuldigen. Nicht bei Ihnen, sondern natürlich bei der Pflaume. Die kann ja auch nichts dafür.

Ähnlich wie bei der Graupe ist über Minderleistungen der Pflaume nichts bekannt. Sie hätte nur nicht unbedingt ihre Namensrechte an Deutschlands schlechtesten Fernsehmoderator verkaufen müssen. Der ist nämlich Käse. Ach Mist, noch so ein Ei. Ich merke gerade: So ganz ohne Lebensmittelbeleidigungen wird die Schreiberei ein echt zäher Knödel ...

Bis die Tage!

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