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Nach Toreschluss - die Wochenendsatire
Mit Videos: Skandal um Lehnchen

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire: Mit Videos: Skandal um Lehnchen
Rundschau-Redakteur Roderich Trapp. FOTO: Bettina Osswald
Wuppertal. Ich hab immer noch Schnappatmung, weil ich eine ungeheuerliche Entdeckung gemacht habe: Das "Lehnchen vom Tippen-Tappen-Tönchen" ist geklaut worden!

Also jetzt nicht in der Form, dass es weg wäre. Es wird ja soeben im Karneval laufend von im Rahmen ihrer begrenzten närrischen Möglichkeiten ausgelassen zehn Zentimeter nach links und rechts schunkelnden Wuppertalern gesungen. Nein, das Lehnchen ist dreist kopiert worden: Und zwar von einer Volksmusik-Diebesbande aus der Rhön.

Die Rhön ist ein völlig zu Recht weitgehend unbekannter Landstrich zwischen Bayern und Hessen, der bereits unangenehm damit auffiel, so zu tun, als habe man das Rad erfunden. Zum Glück sind darauf nur einige wenige Rhönradfahrer reingefallen. Aber jetzt das: In der Rhön singen sie ohne rot zu werden nach der Original-Melodie unseres Lehnchens das "Kreuzberglied" – eine Art Nationalhymne des kärglichen Mittelgebirgszugs.

Auch den Text haben sie komplett abgekupfert und nur an den entscheidenden Stellen verhunzt. Lesen Sie selbst:

Komm mit mein Schatz,
nimm an meiner Seite Platz,
mit der Bimmel-Bummel-Bahn,
fahren wir nach Böschme ran,
und dort steigen wir aus
und wandern zum Kreuzberg hinauf.
Grüß mir die Heimat,
grüß mir mein Rhönerland,
mit seinen Bergen, mit seinem Saalestrand.
Dort, wo der Kreuzberg winkt (Jodelidö!),
dort wo die Saale rauscht (ja rauscht!),
ist meine Heimat, ja da bin ich zu Haus.

Damit sie das Werk in seiner ganzen Prachtentfaltung genießen können, haben wir hier zwei eindrucksvolle Versionen auf unsere Homepage gestellt. In der einen singen 1.000 Menschen in Bad Kissingen mit, in der anderen versucht sich eine einheimische Boygroup namens "Feldkahler Lederhosen" an dem Beutestück. Klicken Sie mal rein, dann wird Ihnen spätestens beim Jodler im Refrain die Kottenbutter aus dem Gesicht fallen. In den nächsten Strophen geht es dann übrigens noch um einen Nepomuk auf der Haselbacher Bruck, Klosterbier und den Kniebrecherhang, an dem ein Salto Mortale gelang.

Insgesamt ist das das dreisteste Plagiat, das ich je gehört habe. Selbst der inbrünstig besungene Kreuzberg ist geklaut, der liegt ja bekanntlich in Berlin (Scherz). Noch empörender wird das Ganze durch die Umstände, unter denen die Affäre aufgeflogen ist.

Das ging nämlich so: Mein Sohn arbeitet in Köln mit einem Menschen zusammen, der aus dem Dorf Burglauer im Landkreis Rhön-Grabfeld stammt. Als dessen Kollegin einen Wuppertaler heiratete, wurde bei der Feier natürlich auch das "Lehnchen" gesungen – das erkannte der outgesourcte Bazi sofort als eiskaltes Plagiat seines heimatlichen Kreuzbergliedes und bezichtigte Trapp junior und alle Wuppertaler darob des Liederklaus.

Und damit noch nicht genug: Weil er in der Heimat immer noch als Karnevalsredner auftritt, hat der Rhön-Exilant aus der vermeintlichen Kopie seiner Heimat-Hymne auch noch eine Faschingsnummer gemacht, in der Wuppertal verhonepipelt wird.

Dabei ist völlig klar, wer hier wen beklaut hat. Dafür muss man nur in die Bad Kissinger Regionalausgabe der "Mainpost" gucken, die 2016 die Herkunft des Kreuzbergliedes untersucht hat, weil – Zitat – "seine Entstehung im Dunkeln liegt". Ergebnis der Recherche: Es gibt zwar gleich zwei Autoren, die das Lehnchen textlich zu Weißwurst verarbeitet haben, aber die Herkunft der Melodie kennt da unten keiner.

Das Original:

Da helfen wir gerne weiter: Wie jeder Wuppertaler schon in der Klötzkenschule lernt, hat der 1969 verstorbene Karnevalist Reinhard Triefenbach das "Lehnchen" komponiert und nicht irgendein Waldschrat aus Burglauer. Wir sollten sofort bewaffnete "Striekspöen" in den Süden schicken und denen da unten mal kräftig heimleuchten. Sonst kriege ich noch einen Rhön – pardon: Föhn!

Bis die Tage!

 
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