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Nach Toreschluss - die Wochenendsatire
Vorsicht: Dibbelabbes!

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire: Vorsicht: Dibbelabbes!
Rundschau-Redakteur Roderich Trapp. FOTO: Bettina Osswald
Wuppertal. Deutschland wird ja immer ernährungsbewusster. Auch in Kantinen. Die heißen inzwischen alle Betriebsrestaurants, haben auf jeden Fall eine Bio-Ecke und täglich mindestens ein Gericht aus der Kategorie laktosefreier vegetarischer Burger mit glutenfreiem Dinkelbrötchen und Quinoa-Bratling.

Quinoa ist übrigens ein Fuchsschwanzgewächs aus den Anden, das die Inkas gegen Halsschmerzen genommen haben, die nach Aussprechen dieses Namens auch bei Mitteleuropäern gelegentlich auftreten.

Wenn Ihnen das alles auf den Senkel geht, hätte ich einen guten Tipp: Ich war nämlich diese Woche geschäftlich in Saarbrücken und habe festgestellt, dass dort unten an der Grenze zum genussfreudigen Frankreich die Kantinenwelt noch in Ordnung ist. Das gastgebende Unternehmen bat uns zum Mittagessen in sein im Originalzustand klassischer Verköstigungsanstalten der 70er Jahre erhaltenes Resopal-Paradies.

Dort teilte eine Kaltmamsell der alten Schule wahlweise zwei Gerichte aus: Weil mir die Putenbällchen in der Größe handelsüblicher Medizinbälle etwas zu mächtig erschienen, entschied ich mich spontan für die Alternative. Bei der handelte es sich um Dibbelabbes - ausweislich des Namens zweifellos eine landestypische Spezialität, von der wir im Bergischen Land noch nie gehört haben. Und das völlig zu Recht, wie sich unmittelbar herausstellte.

Denn die Servicekraft griff nun zu einem Löffel, der in jedem anderen Bundesland als Schneeschieber durchgehen würde, und schaufelte damit etwa anderthalb Kubikmeter einer graubraunen Substanz auf meinen Teller. Als Beilage gab es noch Apfelmus und ein aufmunterndes "Voilà!" der französischsprachigen Portioniererin, weil das Gebinde im Grunde nur noch mit Hilfe mehrerer ausgebildeter Sherpas zum Tisch zu tragen war.

Noch schwerer als der Transport gestaltete sich der Verzehr des Dibbelabbes, der möglicherweise das Schlimmste ist, was einer Kartoffel zustoßen kann. Für eine Portion wird ein Doppelzentner der beklagenswerten Erdäpfel so lange mit der gleichen Menge Fett in einer Pfanne mit dem Durchmesser eines Duisburger Hochofens fusioniert, bis auch die beigefügten Wurst- und Zwiebelbröckchen in der enorm verdichteten Masse geschmacklich nichts Nennenswertes mehr ausrichten können. Lebensmitteltechniker haben errechnet, dass ein Löffel Dibbelabbes mühelos den gesamten Tageskalorienbedarf der Einwohner einer saarländischen Kreisstadt abdeckt.

Der Versuch, als einzelner Konsument mittags eine ganze Portion Dibbelabbes zu essen, ist dementsprechend ungefähr so aussichtsreich wie ein Annäherungsversuch von Donald Trump bei Alice Schwarzer. Ich habe es höflichkeitshalber trotzdem versucht. Gestützt von mehreren Kollegen und einem Magenbitter konnte ich gegen Abend immerhin wieder erste artikulierte Laute ausstoßen und Dibbelabbes mal googlen. Wikipedia erklärt uns dabei, dass Dibbes ein gusseiserner Topf ist und Labbes so viel wie Masse bedeutet, was ich absolut bestätigen kann. In benachbarten Regionen heißt Dibbelabbes auch Dippedotz und gilt insgesamt als Arme-Leute-Essen. Das arm bezieht sich dabei nicht auf die wirtschaftlichen Verhältnisse des Verzehrenden, sondern auf seinen Zustand danach.

Nächste Woche muss ich wieder nach Saarbrücken. Ich nehme mir für mittags wahrscheinlich einen Quinoa-Bratling mit.

Bis die Tage!

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