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Nach Toreschluss - die Wochenendsatire
Was alles ausstirbt

Nach Toreschluss - die Wochenendsatire: Was alles ausstirbt
Roderich Trapp. FOTO: Bettina Osswald
Wuppertal. Was ich da in unserer Rundschau am Mittwoch gelesen habe, macht mir echt Sorgen: Der Waldkauz steht im Bergischen Städtedreieck vor dem Aussterben. Das ist überraschend, weil ich persönlich alleine schon in Wuppertal relativ viele Kauze kenne. Die leben allerdings nicht im Wald und können auch nicht fliegen. Von Roderich Trapp

Ebenfalls vom Aussterben bedroht sind Radfahrer. Das liegt aber nicht daran, dass man nach einer Zweiradfahrt entlang der B7 normalerweise psychologische Betreuung wegen anhaltender Angstzustände braucht. Das Problem ist vielmehr der Fahrradfahrer-Nachwuchs: Die Verkehrswacht hat jetzt Alarm geschlagen, weil immer weniger Grundschulkinder richtig Fahrrad fahren können. Bei vielen fehle es ganz einfach an der nötigen Motorik, hat der Club wissen lassen, nachdem immer mehr Schüler bei der Radfahrprüfung durchfallen.

Offensichtlich scheitern viele schon daran, mit beiden Händen am Lenker unfallfrei geradeaus zu fahren. Von einhändigem Fahren oder artistischen Kunststücken wie dem Schulterblick beim Abbiegen ganz zu schweigen. Es gehört zu den paradoxen Tatsachen unserer Zeit, dass dieselben Kinder unfallfrei zwei Stunden lang einen Lamborghini Diablo mit 350 Sachen Höchstgeschwindigkeit über die Pisten des Computerspiels "Autobahnraser 14" steuern können.

Beim Schwimmen sieht es übrigens ähnlich aus wie beim Radfahren – es ist ebenfalls vom Aussterben bedroht: 60 Prozent der Kinder in Deutschland können nach Erkenntnissen der DLRG nicht schwimmen. Das könnte daran liegen, dass man mit Smartphone in der Hand nicht schwimmen kann. Und das Smartphone vorübergehend wegzulegen ist für normale Grundschulkinder heute keine ernst zu nehmende Option mehr. In Deutschland besitzen 81 Prozent der Menschen Smartphones, der Rest wartet wahrscheinlich gerade auf das neue iPhone.

Bei Kindern beträgt der Smartphonisierungsgrad ungefähr 120 Prozent. Wenn Sie mir ein Foto von einem Minderjährigen an der Bushaltestelle schicken, der kein Smartphone in der Hand hat, dann gebe ich Ihnen einen aus. Neulich las ich erstmals von Plänen, Bodenampeln einzurichten, weil inzwischen alle Kinder im öffentlichen Verkehrsraum ununterbrochen nach unten auf ihr Handy gucken.

Diese Intensivnutzung führt auch zu neuen Krankheitsbildern. Zum Beispiel zur Nomophobie. Dabei handelt es sich um die Angst, ohne Smartphone zu sein ("No-Mobile-Phone-Phobia"). Symptome sind unter anderem (und das ist jetzt kein Scherz): Panik und Angstzustände bei drohender Akkuentleerung und Phantom-Vibrationen, also das Spüren von Smartphone-Vibrationen, obwohl gar keine neuen Nachrichten eintreffen.

Man möchte sich nicht ausmalen, was passiert, wenn ein motorisch unbegabter, nomophober zehnjähriger Videogamer durch eine Phantom-Vibration vom Rad geworfen wird und direkt in einen Baggersee fällt. Er wird wahrscheinlich verzweifelt den Controller suchen, sich beim langsamen Absinken fragen, wie viele Leben er eigentlich noch hat und bis zum Schluss überlegen, ob man sowas besser bei Facebook oder bei Instagram postet ...

Bis die Tage!

Die Rundschau-Radrunde
 
 
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