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Nach Toreschluss – die Wochenendsatire
Witzfigur Wuppertal

Nach Toreschluss – die Wochenendsatire: Witzfigur Wuppertal
Rundschau-Redakteur Roderich Trapp. FOTO: Bettina Osswald
Wuppertal. Andere Medien machen ja auch schon mal ganz gute Witze. Neulich hörte ich zum Beispiel im Radio, dass 45 Prozent der Deutschen wegen des enttäuschenden Sommers den Wetteranbieter wechseln wollen. Das fand ich lustig. Als Wechselprämie gibt es wahrscheinlich einen Monat lang kostenfrei 25 Grad, nur ab nächstes Jahr zahlt man dann für Nieselregen erfahrungsgemäß schon mehr als früher für heiter bis wolkig. Von Roderich Trapp

Darüber kann man auch als Wuppertaler lachen. Anders sieht die Sache bei den ganzen Witzen aus, die im Moment dank der Bahnsperrung über uns gemacht werden. Zum Beispiel auf der Titelseite der "Welt", wo der berühmte Satiriker Hans Zippert am 19. Juli folgendes schrieb:

"Wuppertal ist nur ein Testfall, denn die Bahn will in unansehnlichen oder unerfreulichen Orten überhaupt nicht mehr stoppen, das spart Zeit. Bei der Durchfahrt werden die Scheiben verdunkelt, und es wird beruhigende Musik gespielt. Reisende sollen gar nicht erst auf die Idee kommen, nach Gütersloh, Wolfsburg, Recklinghausen, Pirmasens oder eben Wuppertal zu fahren. Alle zehn Jahre können die Städte einen Antrag auf Wiederaufnahme in den Fahrplan stellen, aber nur, wenn es ihnen bis dahin gelungen ist, Unesco-Weltkulturerbe zu werden."

Problem dabei: Wenn man sich die intensiven Bemühungen der Bahn anguckt, den Wuppertaler Hauptbahnhof nicht zu sanieren, dann muss man leider befürchten, dass es sich hier gar nicht um Satire, sondern um eine knallharte Enthüllungsstory handelt. Am Besten suchen wir schon mal nach einem Weltkulturerbe. Mit der Schwebebahn im Rücken hätten wir dabei immerhin etwas bessere Karten als Pirmasens.

Hart getroffen hat mich auch eine Wuppertal-Verulkung, die im Moment mit konstanter Bosheit auf WDR2 wiederholt wird. Musik-Comedian Dr. Pop hat den Nummer-Eins-Hit "No Roots" von Alice Merton umgedichtet. Der stampfende Refrain lautet jetzt "Es fährt kein ZUG nach Wuppertal"...

Am schlimmsten war aber der fiese Beitrag "Lost in Wupper-Valley" auf 1live, in dem Donald Trump Wuppertal als idealen Wahlkreis für sich entdeckt, weil es durch die Bahnsperrung ähnlich wie seine Heimat komplett von jeglicher Zivilisation abgeschnitten ist. "Obama ist daran schuld", brüllt der Parodist in bestem Trump-Misston ins Mikrofon und verspricht: "Ich schaffe diesen Schienenverkehr ab und ersetze ihn durch einen Trumpelpfad!"

Ich fasse also mal zusammen: Wir als Wuppertaler Steuerzahler finanzieren ein Bahnunternehmen mit, das uns sechs Wochen aufs Abstellgleis stellt, damit wir anschließend vom durch unsere Gebühren finanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunk anständig durch den Kakao gezogen werden können. Das ist genau genommen eine Art Abgaben-Masochismus. Kann man beim Staat eigentlich auch den Anbieter wechseln?

Bis die Tage!

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