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Leben, nicht Lifestyle

Betr.: autofreie Luisenstraße, Rundschau-Kommentar vom 10. Januar

Wir fragen uns, welche Verbesserung eine sogenannte Fahrradstraße bringen soll, wo doch Radfahrer/innen wie ich zum Beispiel jederzeit in alle Richtungen durch die Luisenstraße fahren können – und zwar fast unbehelligt von den wenigen Autos. Wenn gefährliche Situationen entstehen, dann tagsüber von Flaneuren (mit Hunden) und abends durch rumstehende Raucher oder rumtorkelnde Kneipenbesucher, oder – wie zu Semesteranfang – extrem rücksichtslose marodierende Studentenhorden.

Wenn Ihrem Vorschlag gemäß nun die Straße "autofrei" gestaltet werden sollte, gibt es noch mehr Raum für Kneipen und es wird noch lauter, und noch mehr kleine Läden werden vergrault, und noch mehr normale Familien mit Kindern werden wegziehen, weil ihre Häuser an sogenannte Investoren verkauft werden.

Dann wäre diese Straße so gruselig wie "Ihre" Poststraße – oder, noch schlimmer, wie die so oft als leuchtendes Beispiel zitierte Düsseldorfer Altstadt, die bei Tageslicht besehen ein heruntergekommenes Sauf- und Fress-Ghetto für Touristen ist und kein Lebensraum für Menschen aller Art.

Außerdem sollten Sie um die Entstehungsgeschichte des Viertels wissen, das durch Bürgerinitiative vor dem Abriss bewahrt wurde und wo durch Bürgerinitiative die Durchfahrtsstraßenpläne der CDU verhindert wurden und durch Bürgerinitiative die jetzige Einbahnstraßenregelung ausgetüftelt wurde, die den "Cruiser-Autoverkehr" verhindert und Anlieferungs- und Anwohner-Autoverkehr ganz bewusst ermöglicht.

Die normalen Bürger mussten sich kürzlich schon vehement gegen den anonymen Vorschlag zum unausgegorenen Bürgerbudget wehren und würden eigentlich am liebsten weiterhin in Ruhe in ihrem vielfältigen Viertel leben – durchaus mit Läden, Kneipen, Touristen. Leben eben – nicht Lifestyle, wie sie es nennen.

Barbara Heinrich, Laurentiusstraße

(Rundschau Verlagsgesellschaft)
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