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Kriminalität
Betrug an Senioren: Immer neue Telefon-Maschen

Symbolfoto. FOTO: Polizei
Wuppertal. Eine Rundschau-Leserin schildert ihre Gefühle nach einem unangenehmen Anruf. Obwohl sie nicht auf den Trick hereinfiel, leidet sie unter dem Erlebten. Die Polizei weiß: Annegret Zahlten ist längst kein Einzelfall. Von Nina Bossy

Als Annegret Zahlten vor wenigen Tagen den Telefonhörer abhebt, meldet sich ein Herr Weber. Er arbeite bei der Commerzbank, sagt der Mann, der im Besitz ihrer Kontodaten war (!), und die Sache, wegen der er anrufe, sei sehr ernst. "Sie haben bei einem Gewinnspiel mitgemacht und den Vertrag nicht gekündigt. Es liegt ein Pfändungsbeschluss Ihres Kontos vor." Das Amtsgericht sei informiert, 9.000 Euro müsse Frau Zahlten zahlen. "Außer Sie überweisen sofort 700 Euro." Und in diesem Moment weiß die Wuppertalerin, sie spricht mit einem Betrüger.

Dass falsche Bankberater anrufen, ist Anja Meis als Masche noch nicht bekannt. "Aber die Täter, die es gerade auf Senioren am Telefon abgesehen haben, sind kreativ", sagt die Sprecherin des Polizeipräsidiums Wuppertal. Vom klassischen Enkeltrick bis zu falschen Polizeibeamten – das Spektrum sei vielfältig. Und im bergischen Städtedreieck scheint ein Schwerpunkt der Betrüger zu liegen.

So betonte auch Polizeipräsident Markus Röhrl Anfang März bei der Vorstellung der Kriminalstatistik 2017, dass Senioren im Bergischen für solche Betrugsmaschen besonders gefährdet sind. "Warnen Sie Ihre Bekannten, Ihre Familienmitglieder!", appellierte er damals an die Bevölkerung.

Denn wenn Senioren auf eine solche Masche hereinfallen, erleben sie nicht nur einen finanziellen Verlust. Der Schock und die darauf folgende permanente Angst, die die alten Menschen erleiden, seien oftmals der noch größere Schaden. Und die Täter zu stellen sei fast unmöglich. So sitzen die Anrufer oftmals gar nicht in Deutschland, in der Vergangenheit seien Senioren zum Beispiel aus einem Callcenter in der Türkei angerufen worden.

In einem Fall sind die Betrüger der Polizei ins Netz gegangen. Ende April wird das Schöffengericht gegen zwei deutsche Frauen aus Herten verhandeln. Der Fall: Ein bisher unbekannter Täter hatte einen Wuppertaler angerufen und sich als Polizeibeamter ausgegeben. Wegen eines in kriminelle Machenschaften verstrickten Bankmitarbeiters sei sein Geld bei der Sparkasse nicht mehr sicher, sagte der Mann am Telefon. So überzeugte er das Opfer, 30.000 Euro in bar abzuheben. Später folgten weitere Anrufe mit dem Hinweis, bei dem ausgezahlten Betrag handele es sich um Falschgeld. Das übergab der Mann dann abends an einer Wuppertaler Haltestelle einer vermeintlichen Kriminalbeamtin. Mit einer ähnlichen Masche waren das Duo und ihr Komplize auch in Hanau erfolgreich.

Annegret Zahlten fiel zum Glück nicht auf den Betrüger herein. Sie legte auf, wählte sofort die Nummer der Polizei. Die Anzeige läuft. Dennoch, sagt Annegret Zahlten, bedeute dieses Erlebte einen Einschnitt in ihr Leben. Das Gefühl, zu Hause sicher zu sein, sei mit dem unangenehmen Telefongespräch verschwunden. "Allein deshalb gehe ich in die Öffentlichkeit", sagt die 65-Jährige. "Ich möchte andere vor diesem schlimmen Erlebnis warnen."