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Wuppertaler Verein "Bildung bauen"
Lehm, Stroh, Bambus und Wellblech

Mit vollem Einsatz sorgt Cristina Sopena Amiel für das richtige Mischungsverhältnis von Lehm und Stroh. Am Mirker Bahnhof übten die Studenten seit dem Sommer für den Echt-Einsatz in Nicaragua. FOTO: Rundschau
Wuppertal. Mit dem Verein "Bildung Bauen" planen Studenten der Bergischen Universität zum Abschluss ihres Studiums die Errichtung einer Schule in Nicaragua. Von Hannah Florian

Anfang Januar fliegt eine Gruppe von Studenten des Bauingenieurswesens der Bergischen Universität einmal um die halbe Welt. Ihr Ziel ist Valle el Jinocuabo, ein kleines Dorf in Nicaragua. Mit ihrem Verein "Bildung Bauen" planen die Studenten dort den Bau neuer Gebäude für die örtliche Schule. "Zum Ende unseres Studiums wollten wir gerne ein soziales Projekt umsetzen und zudem praktische Erfahrungen sammeln", erzählt Cristina Sopena Amiel. Gemeinsam mit ihrem Freund Lucas Abdalla de Sa fliegt sie bereits am 27. Dezember nach Zentralamerika, um erste Vorbereitungen zu treffen.

Vor anderthalb Jahren übernahmen die Studenten den Verein "Bildung Bauen" von Freunden, die bereits eine Schule in einem der Nachbardörfer in Nicaragua gebaut hatten. Zusammen mit der Partnerorganisation "Asodesco" vor Ort entstand ein erster Kontakt zur Schule in Jinocuabo. "Da die Schule recht klein für alle Schüler ist, bauen wir drei neue Gebäude. Eine Aula, ein Lehrerzimmer und einen Klassenraum", erklärt Amiel. Rund 200 Schüler aus vier verschiedenen Dörfern besuchen zurzeit die Schule, in der neben Klassenzimmern besonders ein großer Saal für Versammlungen fehlt.

Für den Bau verwenden die Studenten Materialien, die in Nicaragua leicht zu bekommen sind "Wir möchten, dass die Dorfbewohner später Schäden selbst reparieren können." Die Wände errichten sie zum Teil aus einen Lehm-Stroh-Gemisch, zum Teil aus gepressten Strohballen. "Der Dachstuhl besteht aus Bambus und Wellblech. Das ist in Nicaragua üblich", ergänzt John Gurski, der bereits im Oktober für eine Woche nach Nicaragua gereist ist, um einen ersten Kontakt zu den Dorfbewohnern herzustellen und Händler vor Ort zu besuchen. "Die Menschen in Jinocuabo freuen sich schon sehr auf uns", sagt er. "Die Väter und die Müttern der Schulkinder wollen uns beim Bau der Schulgebäude helfen."

Um erste Erfahrungen mit den Materialien zu sammeln, mit denen die Gruppe in Nicaragua bauen wird, begann sie im August mit der Errichtung eines Probebaus auf dem Gelände des Mirker Bahnhofs. Mehrere Wochenenden lang experimentierten die Studenten mit Lehm und Stroh und konstruierten das Bambusgerüst für das Dach. "Bis zu unserer Abreise werden wir wohl nicht ganz fertig werden", sagt Cristina Sopena Amiel. "Trotzdem haben wir dabei viel gelernt und zusätzlich auf unser Projekt aufmerksam gemacht."

Über Spendenaufrufe in den Medien, eine Kooperation mit dem Blutspendezentrum Wuppertal und einen Informationsstand in der Innenstadt konnte der Verein bisher rund 30.000 Euro Spenden für das Projekt sammeln. "Damit ist der Bau der drei Gebäude auf jeden Fall gesichert." Bisher können die Studenten noch nicht absehen, ob am Ende genug Geld übrig bleibt, um die neuen Gebäude auch mit Stühlen, Tischen und Tafeln auszustatten. "Vielleicht bekommen wir ja noch Spenden für die Ausstattung der Räume", sagt Amiel.

Nach der langen Vorbereitungszeit ist es in einem Monat endlich so weit: Die sechs Studenten des Vereins fliegen gemeinsam mit weiteren Helfern nach Jinocuabo, um das lang geplante Bauprojekt zu realisieren. "Ich freue mich auf jeden Fall, bin aber auch ein bisschen nervös. Hoffentlich funktioniert alles wie geplant", sagt John Gurski.

Bis Ende März sollen die drei neuen Schulgebäude stehen. Über Facebook hält der Verein über die Fortschritte in Nicaragua auf dem Laufenden.