| 08.44 Uhr

Medienprojekt
"Niemand anderes" – Frauen sprechen über sexualisierte Gewalt

Medienprojekt: "Niemand anderes" – Frauen sprechen über sexualisierte Gewalt
Das Medienprojekt zeigt einen Dokumentarfilm über sexualisierte Gewalt: "Niemand anders". FOTO: Medienprojekt Wuppertal
Wuppertal. Da war es schon wieder: dieses Gefühl, dass sein Blick etwas zu lang auf dir lag. Schon wieder ein Spruch, der dir auf dem Weg zur Kneipe gedrückt wurde. Und dann auch noch das Streitgespräch über die Klamotten: »Zeig nicht zu viel Haut! Provozier nicht!«

Am Dienstag (25. September 2018) findet um 19:30 Uhr im CinemaxX Wuppertal (Bundesallee 250) die Premiere der Filmreihe »Niemand anderes« des Wuppertaler Medienprojekts über sexualisierte Gewalt statt. Der Eintritt ist frei. Im Anschluss an die Filmaufführung gibt es eine Publikumsdiskussion.

In unserer Gesellschaft findet sexualisierte Gewalt täglich statt. Solche gewaltvollen Eingriffe in Körper und Seele, bei denen es nie um die Sexualität selber, sondern um das Ausüben von Macht geht, sind für die Betroffenen eine traumatische Erschütterung des Welt- und Selbstbildes. Obwohl auch Jungen und Männer von sexualisierter Gewalt betroffen sind, fokussiert sich diese Filmreihe thematisch auf Mädchen und junge Frauen und versucht hierbei kämpferisch-progressiv vorzugehen. Außerdem soll die häufig reproduzierte Figur der Frau als Opfer nicht fortgeschrieben werden.

Im Fokus der Filmreihe stehen die Geschichten von fünf jungen Frauen zwischen 18 und 20, die sexualisierte Gewalt erfahren mussten. Allen Geschichten ist gemeinsam, dass die Täter vertraute, den Frauen nahestehende Personen waren. So fanden die Vergewaltigungen in ihren vergangenen Partnerschaften, in der Schule, im Verein oder in der Familie statt, also an Orten, an denen sie sich eigentlich sicher fühlten. Der Schwerpunkt der Filmreihe liegt nicht auf der Tat, sondern auf den sowohl produktiven als auch destruktiven Bewältigungs- und Selbstbefreiungsstrategien der jungen Frauen. Mithilfe von Videotagebüchern dokumentieren sie ihre seelische und körperliche Verfassung und geben Einblick in ihre Gedanken- und Gefühlswelten. Die Frauen erzählen offen und mutig, welche ambivalenten Gefühle und Ängste die Taten bei ihnen auslösten und bis heute nachwirken. Dabei dominieren bei allen Frauen vor allem Schuld- und Schamgefühle, die durch Reaktionen von außen oftmals verstärkt werden. Die Frauen setzen sich mit den Themen Selbstfindung, Stärkung und Neuordnung des Körpergefühls auseinander und üben sich darin, sich ihrer eigenen Grenzen bewusst zu werden und sich selbst wieder zu vertrauen. Neben den rein dokumentarischen Erzählformen werden auch fiktive und experimentelle Formen genutzt, um den subjektiven Raum für die Gedanken- und Gefühlslagen der Frauen zu erweitern und künstlerisch umzusetzen.

Ein weiteres Ziel der Filmreihe ist es, gängige Vergewaltigungsmythen zu demontieren und juristische Handlungsmöglichkeiten zu beleuchten. So dokumentiert ein Film die von Rückschlägen und Erfolgen geprägte Geschichte einer Strafanzeige und zeigt auf, welche Gefühlslagen die Protagonistin während des juristischen Kampfes durchläuft.

Darüber hinaus reflektieren drei weitere Frauen die durchlaufenen Bewältigungsprozesse und Langzeitfolgen erlebter sexualisierter Gewalt. So nahm eine von ihnen keine Hilfe von in Anspruch, während eine andere sich in psychiatrische Behandlung begab. Eine der Frauen setzt sich durch die Gründung eines Vereins politisch auch für andere Betroffene ein.

In allen Filmen wird deutlich, wie individuell und vielfältig die Bearbeitung der Taten sein kann und welche unterschiedlichen Hilfen Betroffene in Anspruch nehmen und welche Unterstützung sie erfahren.

Kartenreservierungen und DVD-Bestellungen können beim Medienprojekt Wuppertal vorgenommen werden.

Die Rundschau-Radrunde