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Kommentar zur Polizei-Präsenz am Döppersberg
Sichtbarkeit und Sicherheit

Redakteur Stefan Seitz. FOTO: Osswald
Wuppertal. Als vor kurzem die SPD mit der Forderung, die direkt am Döppersberg gelegene Polizeiwache zu erhalten, an die Öffentlichkeit ging, und die CDU sich sofort anschloss, war die Verwunderung in unserer Redaktion groß: Was soll das denn jetzt? Von Stefan Seitz

Lang und breit hatten ja die Wuppertaler Medien darüber berichtet, dass die lokale Polizeiführung eine ganze Latte von Gründen aufzuzählen wusste, warum immobilienmäßig, polizeitaktisch und finanziell dieser Wunsch nicht zu realisieren gewesen ist. 


Was steckt nun hinter dem Wunsch, die Polizei unmittelbar am Döppersberg zu haben? Diese Frage ist eigentlich ganz einfach zu beantworten: Es geht um das optische (!) Gefühl von Sicherheit. Dabei spielen sichtbare Polizisten die Hauptrolle. Aber auch ein Gebäude, an dessen Fassade das Schild "Polizei" prangt, tut ein Übriges. Wuppertals Polizeipräsident Markus Röhrl, der am Samstag im Rundschau-Interview darauf hinwies, dass Sicherheit nicht von Gebäuden ausgeht, hat damit völlig Recht. Und wenn es der Polizei gelingt, durch Präsenz im Umfeld des Döppersbergs sichtbar zu sein, ist viel erreicht. 


Ob das dazu beiträgt, die Zahl von Straftaten (die im Umfeld eines Bahnhofes immer vergleichsweise höher liegt als anderswo) messbar zu reduzieren, steht auf einem anderen Blatt. Aber es scheint zumindest so zu sein, dass auf den Wunsch einer großen Zahl von Bürgern nach einem Gefühl von Sicherheit mit sichtbarer Polizeipräsenz reagiert werden muss. 


Dabei befindet man sich auf durchaus schwammigem Boden. Was ist Sicherheit? Um das zu definieren, bräuchte man eine intensiv diskutierende Expertenrunde. Ist Sicherheit schon, wenn – wie jetzt – auf dem Kirchplatz mit häufigen Fußstreifen und immer wieder über den Platz fahrenden Streifenwagen auf das "Café-Cosa-Problem" reagiert wird? Oder ist das die rein präventive Ausübung von (Abschreckungs-)Druck? 


Eins ist klar: Die Berichterstattung fast aller (Lokal-)Medien (vor allem auf ihren tagesaktuellen Internet-Seiten) ist von scheinbar ständigen Überfällen & Co. geprägt. Wer nur das zur Kenntnis nimmt, wird schnell bei Statements sein, dass man beispielsweise auf der Gathe nicht mehr sicher sei. Dass etwa die Zahl der Einbrüche, die tatsächlich vor nicht allzu langer Zeit sehr hoch lag, deutlich zurück gegangen ist, und dass das viel mit polizeipräventiver Arbeit zu tun hat, geht dabei gern ganz schnell unter. 


Überhaupt geht, wenn's um Sicherheit geht, vieles gern ganz schnell unter. Beispielsweise die Ruhe, die man braucht, um Ereignisse sachlich zu betrachten und richtig einzuordnen. Ob der Amoklauf von Münster oder auch die ganz normale Lage am Döppersberg und im Umfeld mancher nicht von der Sozialsonne verwöhnten Wuppertaler Gegend: Es wird gerne schnell und populistisch aus der Hüfte geschossen. Hauptsache, man ist ganz vorn beim Maul-Aufreißen. Es scheint kaum noch machbar, sich zurückzunehmen. Und dass jemand, der über die Stränge schlug, etwas zurücknimmt, ist offenbar noch viel schwieriger. Beziehungsweise völlig aus der Anstands-Mode gekommen. 


Es ist der Wuppertaler Polizei und ihrem neuen Chef (der – sportlich, sportlich – von der Schloßbleiche zum Döppersberg nur zwei Fußminuten braucht) zu wünschen, dass das Präsenz-Konzept funktioniert.