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Springmann-Prozess
Streit um sehr viel Geld?

Der 26 Jahre alte Enkel (hier ein Foto vom Prozessauftakt) soll laut Staatsanwaltschaft seine Großeltern aus Habgier ermordet haben. FOTO: Battefeld
Wuppertal. Am zweiten Verhandlungstag im Prozess um den Mord am Ehepaar Springmann standen die Aussagen im Fokus, die der Enkel gegenüber den Ermittlungsbeamten kurz nach der Tat gemacht hatte. Der 26-Jährige muss sich wegen Doppelmordes vor dem Landgericht verantworten.

Dem Enkel Benjamin S. – sowie einem Geschäftspartner (45) – wird vorgeworfen, Christa (88) und Enno (91) Springmann am 19. März 2017 in ihrem Anwesen aus Habgier heimtückisch ermordet zu haben. Bislang schweigt der Enkel zu den Vorwürfen. Um so wichtiger sind für das Gericht daher seine früheren Aussagen, die er gegenüber der Polizei gemacht hat.

Die Verteidigung hatte Einspruch dagegen erhoben – man habe den 26-Jährigen damals als Zeugen, nicht als Verdächtigen belehrt, obwohl man ihn bereits verdächtigt habe. "Weinerlich und betroffen", so hatte ein Beamter den Angeklagten bei seiner Vernehmung damals erlebt. Er hatte sich notiert, dass der 26-Jährige zwar um ein Papiertaschentuch gebeten hatte, in das er hineingeschluchzt habe, das aber anschließend trocken gewesen sei.

Ebenfalls Thema waren die finanziellen Zuwendungen der Großeltern an ihren Enkel. 800.000 Euro seien Ende 2016 auf sein Konto geflossen und auch Immobilien sollten ihm überschrieben werden. Darüber habe es angeblich Streit zwischen seiner Großmutter, die das nicht gewollt habe, und dem Großvater gegeben, erklärte der Vernehmungsbeamte vor Gericht.

Überhaupt ergibt sich das Bild eines von Zerwürfnissen geprägten Familienlebens: So kristallisierte sich heraus, dass offenbar Großmutter Christa Springmann nach wie vor ein gutes Verhältnis zu ihrem Sohn pflegte, obwohl der als Nebenkläger auftretende Vater des Angeklagten dessen Mutter vor die Tür gesetzt habe. Benjamin S. sowie Großvater Enno sollen das kritisch gesehen haben, generell sei das Verhältnis zwischen Enkel und Opa eng gewesen.

Am Tattag habe der 26-Jährige seine Großeltern – so wie jeden Sonntag – besucht. Mit einem weißen Audi S1, da er nicht mit einem Maybach S600, vorfahren wollte, den ihm angeblich die Werkstatt als Ersatzfahrzeug für seinen Mercedes GTS gegeben habe. Nach dem Besuch sei er in der Konditorei der Eltern einer Freundin gewesen. Von dem Mord habe er erst durch einen Anruf am nächsten Morgen erfahren.

Der Prozess wird fortgesetzt. (red)