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Alternative Lebensweise
Vegan und ohne Plastik

Alternative Lebensweise: Vegan und ohne Plastik
Antonia Federer und Max Hölscher machen auch schon einmal ihr Zuhause zum Kino, um bei den Nachbarn für einen nachhaltigen Lebensstil zu werben. FOTO: Redaktion
Wuppertal. Ihre Zähne putzen sich Antonia Federer und Max Hölscher mit einer Zahnbürste aus Bambus. Ihre Zahnpasta ist frei von Mikroplastik und selbstverständlich vegan. Antonia und Max sind beide 19 Jahre alt und wissen schon jetzt ganz genau, wie sie in Zukunft leben möchten: nachhaltig! Von Hannah Florian

Antonia Federer schlürft ihren Eistee durch einen Strohhalm aus Glas. "Ganz am Anfang haben wir Nestlé boykottiert", erzählt sie. Nach Nestlé kam der Verzicht auf Plastik, etwas später die vegane Ernährung. Mittlerweile haben sie sich die beiden in ihrem plastikfreien und veganen Leben gut eingerichtet. In der Küche des Geographie-Studenten und der angehenden Musik-Studentin stapeln sich statt Tupperboxen Gefäße aus Glas und Metall, aufgefüllt mit Haferflocken, Linsen und Nüssen. In beigen Stoffbeuteln lagern Nudeln und Brot. 

"Alle zwei Wochen fahren wir nach Düsseldorf in einen verpackungsfreien Laden", erzählt Max. Dort kaufen sie Reis, Hülsenfrüchte und Gummibärchen. Ihre Lebensmittel füllen sie selbst ab, gekauft werden nur die Mengen, die sie wirklich brauchen. "Früher haben wir viel mehr weggeschmissen", erinnert sich Antonia. Damals kauften die beiden im Supermarkt drei Streichcremes, von denen zwei verschimmelt im Mülleimer landeten. Heute besorgen sie im Biomarkt nur eine vegane Streichcreme. Die ist zwar teurer, wird aber gegessen, ohne zu verderben. 

Wenn Antonia beim Bäcker darum bittet, auf die Plastiktüte für das Brot zu verzichten, schlägt ihr nicht immer Verständnis entgegen. Auch an der Supermarktkasse reagieren die Kassierer ab und zu genervt, wenn Antonia und Max ihr Obst und Gemüse lose aufs Kassenband legen, ohne es vorher in dünnen Plastiktüten zu verpacken. "Aber ist es so schlimm, wenn Obst und Gemüse sich berühren? Wozu brauche ich Plastiktüten?", fragt Antonia und schüttelt verständnislos den Kopf. Brot und Kuchen backen die 19-Jährigen mittlerweile selbst. Generell leben sie nach der Devise. "Selber machen ist günstiger und schmeckt sowieso besser." 

Antonia und Max reagieren mit dem Verzicht auf Plastik auf ein Problem, dass mittlerweile immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit rückt: die Verschmutzung der Meere durch Plastikmüll. Bis zu 18.000 Plastikteile unterschiedlichster Größe treiben nach Angaben des Umweltprogramms der vereinten Nationen (UNEP) auf jedem einzelnen Quadratkilometer Meeresfläche. Bis zu 100.000 Meeressäuger und eine Million Meeresvögel sterben jährlich an der Verschmutzung mit Plastik. 

Obwohl die beiden Studenten sich Mühe geben, gelingt der Verzicht auf Plastik nicht immer. Ihren veganen Joghurt zum Beispiel bekommen sie nur in Plastikbechern. "Es ist wirklich schwer, heutzutage ganz auf Plastik zu verzichten. Viel schwerer als vegan zu leben", mussten Antonia und Max feststellen.

Seit sechs Monaten verzichten sie nicht nur auf Plastik, sondern essen zudem kein Fleisch, keine Milchprodukte und keine Eier mehr. Was den Anstoß zu ihrer veganen Lebensweise gab, erklärt Max mit einem Satz: "51 Prozent der ausgestoßenen Treibhausgase werden durch Nutztierhaltung verursacht. Das war uns nicht bewusst."

Um sich mit Gleichgesinnten über ihre vegane Lebensweise und den Verzicht auf Plastik auszutauschen, haben Antonia und Max ihre Nachbarn über die Internet-Plattform "nebenan.de" und über einen Aushang im Bioladen zu einem Film-Abend eingeladen. Auf dem Programm steht die Dokumentation "Cowspiracy", in der es um den Einfluss der Viehwirtschaft auf die Umwelt geht. "Es muss sich nicht jeder vegan ernähren oder auf Plastik verzichten, aber die Menschen sollten darüber nachdenken, wie sie mit der Umwelt umgehen", sagt Antonia.

Als sie ihrer besten Freundin vor sechs Monaten erzählte, dass sie ab sofort vegan lebe, hat diese nur gelacht. "Das hältst du doch nie durch, du isst viel zu gerne Käse" – und auch Antonia hatte ihre Zweifel. Mittlerweile hat die 19-Jährige gemerkt, dass es ihr nicht schwer fällt, auf Milchprodukte zu verzichten. Packt sie doch einmal der Heißhunger auf geschmolzenen Käse, dann greift sie zum Handy und bestellt sich eine vegane Pizza – die bekommt sie ohne Probleme auch bei Wuppertaler Lieferdiensten.

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