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Springmann-Prozess
Verteidiger zweifelt Tatzeit an

Der angeklagte Enkel mit einem seiner Verteidiger. FOTO: Holger Battefeld
Wuppertal. Unter großem medialen Interesse hat am Freitagmorgen (23. März 2018) vor dem Wuppertaler Landgericht der Prozess um den gewaltsamen Tod des Unternehmer-Ehepaars Christa (88) und Enno Springmann (91) begonnen.

Dem Enkel und einem Geschäftspartner wird vorgeworfen, sie am 19. März 2017 in dem Anwesen in Ronsdorf aus Habgier heimtückisch ermordet zu haben. Die Angeklagten sitzen seit dem 26. Juni 2017 in Untersuchungshaft. Die Kammer erwartet einen reinen Indizienprozess.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 26 Jahre alte Enkel die vom Großvater erhaltenen hohen Geldzuwendungen für hochwertige Autos und Luxusgüter ausgegeben habe. Er habe befürchten müssen, dass Enno Springmann darüber Rechenschaft verlangen und erfahren würde, dass der Enkel das Studium abgebrochen habe. Auch der Geschäftspartner (45) habe zwei Darlehen ohne erkennbare Gegenleistung erhalten. Beide hätten Springmann zunächst geschlagen, dann erdrosselt. Christa Springmann sei kurz danach in ihrem Arbeitszimmer getötet worden.

Die Verteidigung bezeichnete die Anklage aus "tatsachenarm". Die Vorwürfe der Heimtücke und der Habgier könnten nicht stimmen. Der Enkel, der die Tat bestreitet, habe die Großeltern "innig geliebt". Einen einigermaßen verlässlichen Todeszeitpunkt gebe es nicht. Das Ehepaar könnte auch später gestorben sein. Die Staatsanwaltschaft habe die Möglichkeit, potenzielle andere Täter in Betracht zu ziehen, nicht intensiv genug verfolgt.

Insgesamt neun Angehörige der Angeklagten verweigerten nach der Sitzungspause die Aussagen.

Der Prozess wird am 9. April fortgesetzt - dann unter anderem mit den Beamten, die den Enkel vernommen haben, sowie Zeugen, die am Tatort waren.