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Prozess vor dem Landgericht
Videos belasten Polizisten

Prozess vor dem Landgericht: Videos belasten Polizisten
Der angeklagte Polizist (li.) mit seinem Anwalt Michael Kaps. FOTO: Lotze
Wuppertal. Das Landgericht verhandelt zum wiederholten Mal über den Fall eines heute 37-jährigen Wuppertaler Polizisten. Der wehrt sich gegen eine zuvor verhängte Bewährungsstrafe von acht Monaten für eine Prügelattacke auf einen 17-Jährigen. Parallel dazu will er in den vorzeitigen Ruhestand versetzt werden. Von Dirk Lotze

Laut Staatsanwaltschaft hatte er im September 2012 im Dienst grundlos einen 17-Jährigen auf einem Polizei-Parkplatz krankenhausreif geschlagen. Ausgangspunkt war damals ein Einsatz in Solingen. Andere Beamte hatten den alkoholisierten Jugendlichen am Rand einer privaten Party festgesetzt. Später holten ihn seine Eltern von der Wache ab. Auf dem Parkplatz habe der bereits leicht verletzte 17-Jährige geschimpft, gelärmt und zur Prügelei herausgefordert.

Der Angeklagte habe darauf im vollen Lauf den körperlich weit unterlegenen Jugendlichen von hinten angegriffen, als der sich bereits entfernte. Der Angegriffene soll schließlich in einem Streifenwagen gelandet sein und schwere Verletzungen erlitten haben. Der Fall ist einzigartig, weil Videos aus Sicherheitskameras der Polizei den gesamten Ablauf belegen.

Während der ersten Berufung 2015 berichteten Zeugen, dass sich Polizisten nach dem Geschehen auf eine Version geeinigt hätten: Der zufolge habe der Jugendliche sich widersetzt, er habe deshalb erneut festgehalten werden sollen. Doch dieselben Zeugen räumten später ein, dass auf den Videos kein Widerstand des 17-Jährigen zu erkennen sei. Laut Landgericht war schon der Grund für die erste Festnahme des Jugendlichen fragwürdig. Ebenso die Tatsache, dass er in einer Zelle für Erwachsene landete und dass ihm ein Arzt eine Blutprobe abnahm. Quintessenz: "Das Einzige wirklich Richtige an dem Abend war, dass der junge Mann in die Obhut seiner Eltern entlassen wurde."

Die Richter erhöhten sogar massiv die Bewährungsauflagen für den Polizisten, ausdrücklich um ihn von Wiederholungen abzuschrecken. Das Urteil hatte jedoch keinen Bestand, weil eine Formalie nicht protokolliert worden war.

Zum neuen Prozess erklärte der Angeklagte, er verstehe inzwischen die Sichtweise des heute 23 Jahre alten Opfers und seiner Eltern. Er habe nicht verletzen wollen, aber auf Widerstand reagiert. Den Richtern erklärte er: "Ich bin durch mit der Polizei. Ich habe die Versetzung in den vorzeitigen Ruhestand beantragt." Er sei wegen des Prozesses psychisch erkrankt.

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