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Kommentar zur neuen Entwicklung in Sachen Hauptbahnhof
Wuppertal wird vorgeführt

Rundschau-Redaktionsleiter Roderich Trapp. FOTO: Bettina Osswald
Wuppertal. "Wir haben ein wichtiges Ergebnis für Wuppertal erreicht. Es gibt jetzt die gute Chance, dass der Wuppertaler Hauptbahnhof schon bald ein Tor zum Tal wird, auf das alle Wuppertaler stolz sein können."

Diese Meldung verbreiteten 2008 der inzwischen verstorbene Peter Hintze und Manfred Zöllmer, die sich als Bundestagsabgeordnete parteiübergreifend in Berlin dafür einsetzten, den Wuppertaler Bahnhofs-Schandfleck zu beseitigen. Der damalige Bahnchef Mehdorn hatte in Aussicht gestellt, die Sanierung des Bahnhofs aus Mitteln des Privatisierungserlöses zu finanzieren ... 

Geschlagene zehn Jahre später sieht der Wuppertaler Hauptbahnhof immer noch so katastrophal aus wie damals und die Bahn ist weiterhin einsame Spitze im "in Aussicht stellen". Zuletzt hatte sie die Sanierung des Bahnhofs ab 2018 in Aussicht gestellt und dieses Versprechen jetzt platzen lassen.
Hinter den wohl gesetzten Worten von "konstruktiven Gesprächen zwischen Bahn, WSW, und Stadt über ein integriertes Gesamtkonzept" verbirgt sich im Kern nur eins: Die Bahn führt die Stadt Wuppertal von vorne bis hinten vor.

Fakt ist: Die Stadt braucht den Anbau des Bahnhofs als Talstation für die Seilbahn, sonst ist das Prestigeobjekt tot. Und die Bahn sieht jetzt genau darin die Chance, die Problemimmobilie Hauptbahnhof elegant loszuwerden, indem man den Komplex nur als Ganzes anbietet. Da es keine schriftlichen Vereinbarungen über die in Aussicht gestellte Bahnhofssanierung gibt, kann sie das prima machen.

Denken wir doch mal kurz über diese Sanierung nach: Würde die Bahn (respektive ihre in dieser Hinsicht sehr erfahrenen Immobilien-Töchter) tatsächlich auf die Entwicklung des Bahnhofs verzichten, wenn dahinter wirklich aussichtsreiche wirtschaftliche Perspektiven steckten? Es ist ja nicht unbekannt, dass der Neubau privatwirtschaftlicher Gewerbeimmobilien angesichts des Wuppertaler Mietpreisniveaus mehr als schwierig ist. Selbst in den Elberfelder Bestlagen zahlt kein Büromieter deutlich mehr als zwölf Euro pro Quadratmeter – und in diesem Segment stehen gerade an der Ohligsmühle und am Wall jede Menge Flächen leer. Wie würde sich da ein viergeschossiger Bahnhof mit mehreren 1.000 Büro-Quadratmetern und kleinem Einzelhandelsanteil rechnen? In meiner Fantasie fällt mir da als Lösung nur noch die Clees-Gruppe ein, für die sich durch die veränderte Konstellation vielleicht neue Optionen bei der Erweiterung ihres City-Outlets ergeben würden. 

Die Wirtschaftlichkeits-Frage sollen jetzt zunächst einmal die Stadtwerke beantworten, während die Stadt selbst die Faust in der Tasche ballt und offenbar weiter auf Kuschelkurs fährt. Nahverkehrsdebakel in Wuppertal bei der Bahnsperrung zu Ostern? Schwamm drüber! Nicht eingehaltene Zusagen bei den Brückenarbeiten an der Brändströmstraße? Schwamm drüber! Beim Bahnhofsthema am Ring durch die Manege geführt? Egal, man braucht ja eine Talstation ...

Aus meiner Sicht ist spätestens jetzt die Stunde gekommen, politisch an geeigneter Stelle Druck zu machen und die zu 100 Prozent bundeseigene Deutsche Bahn AG endlich in die Schranken zu weisen. Ein klassischer Fall für unsere Wuppertaler Bundestagsabgeordneten. Aber auch eine große Aufgabe, an der sich ihre durchaus einflussreichen Vorgänger schon verhoben haben. Sonderlich optimistisch macht mich das nicht ...