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Kommentar über die Herausforderung Nachhaltigkeit
Zwischen Idealismus und Pragmatismus

Kommentar über die Herausforderung Nachhaltigkeit: Zwischen Idealismus und Pragmatismus
Volontärin Hannah Florian holt sich auch ab und zu mal einen "Coffee-to-go" im Plastikbecher. Ein schlechtes Gewissen hat sie dabei schon. FOTO: Redaktion
Wuppertal. Es ist die eingeschweißte Bio-Gurke, die wohl am deutlichsten symbolisiert, wie schwierig es sein kann, sich gleichermaßen gesund wie umweltbewusst zu ernähren. Fairtrade, Bio, unverpackt – wie sollen wir im immer schneller werdenden Alltag mit all diesen Idealen jonglieren?  Von Hannah Florian

Das Beispiel dieses alltäglichen Gemüses zeigt: Das Bewusstsein für unseren übermäßigen Plastikkonsum ist da, irgendwo, zumindest auf Instagram und in den Medien. Die Umsetzung beim eigenen Einkauf ist schwer. Das merken auch die beiden Studenten Antonia Federer und Max Hölscher, die versuchen, ganz auf Plastik zu verzichten und ihren veganen Joghurt trotzdem im Plastikbecher kaufen.

Was fehlt, ist die Alternative. Für die sorgt der Supermarkt Edeka jetzt zumindest an der Wursttheke. In Büsum wird aktuell die Mehrwegdose getestet. Anstatt die Salami in Plastik zu wickeln, wird sie in eine Dose verpackt, die beim nächsten Einkauf an der Wursttheke gegen eine frische Mehrwegdose getauscht werden kann.

Ein erster kleiner Schritt, den auch das "Milias Coffee" in Wuppertal schon gegangen ist. Statt Plastikstrohhalme gibt es Nudeln als Schlürf-Ersatz. Den Eiskaffee gibt es trotzdem noch im Plastikbecher, mit Plastikdeckel oben drauf. Zehn Minuten nach dem Kauf des kalten "Coffees to go" landet beides im Mülleimer. 20 Minuten später holen wir unser Smartphone aus der Tasche und sehen uns Bilder von an Plastikmüll verendeten Meerestieren an. Schrecklich, diese Bilder. Eine Schildkröte mit Strohhalmen in der Nase. Den Eiskaffee haben wir ja immerhin durch eine Nudel getrunken. 

Der Plastikmüll berührt zwar unsere Gefühle, aber nicht immer den Inhalt unseres Einkaufswagens. Damit das nicht so bleibt, schießen verpackungsfreien Läden zumindest in Großstädten aus dem Boden und machen verpackungsfreies Einkaufen zum neuen Trend. "Back to the roots", ein bisschen ist das wie Einkaufen mit Omi, im Tante-Emma-Laden, mit selbst mitgebrachten Tüten und Kartons. Nur eben hipper.

Und das ist auch gut so. Umweltbewusstes Einkaufen darf ruhig hipp sein, wenn dafür immer mehr Menschen auf Plastikverpackungen verzichten oder zumindest darüber nachdenken, beim Gemüsekauf im Supermarkt mal auf die dünne Plastiktüte zu verzichten. 

Nicht ganz so hipp aber auch eine Alternative sind Bauern- und Bioläden. In den rustikalen "Öko-Lädchen" wird ebenfalls weniger in Plastik verpackt. Gemüse und Obst gibt es dort mehr nach Saison und weniger nach den Erdbeer-Gelüsten der Kunden im Dezember.

Und die Biogurke? Die gibt es im Bioladen sogar meist plastikfrei. Natürlich gehe ich nicht immer im Bauernladen einkaufen. Und ab und zu hole ich mir auch mal einen "Coffee to go". Aber dass beim Genuss meines Kaffees das schlechte Gewissen an mir nagt, das ist der erste Schritt. Diesen Schritt scheint gerade die junge Generation wieder zu gehen. 

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