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Pressekonferenz des Ex-Vorsitzenden Friedhelm Runge
Nachspiel bei WSV-Insolvenz?

Der aktuelle WSV-Vorstandssprecher Lothar Stücker (li.) und der ehemalige Vorsitzende Friedhelm Runge auf einer Mitgliederversammlung. FOTO: Dirk Freund
Wuppertal. Das 2013 durchgeführte Insolvenzverfahren des Fußball-Regionalligisten Wuppertaler SV könnte Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nach sich ziehen. Diese Auffassung vertrat Prof. Dr. Holger Linderhaus, Rechtsanwalt des im Januar 2013 zurückgetretenen ehemaligen Vorsitzenden Friedhelm Runge, auf einer Pressekonferenz am Donnerstag (14. Dezember 2017) in Wuppertal. Von Roderich Trapp und Jörn Koldehoff

Die strittige so genannte Patronatserklärung, so die Begründung, habe in direktem Zusammenhang mit dem damaligen Lizenzantrag für die 3. Liga gestanden und sei ausschließlich dafür gedacht gewesen, den Aufstiegsfall abzusichern. Irgendjemand habe sie später aus der gebundenen und gesiegelten Akte herausgenommen, um sie isoliert in der juristischen Auseinandersetzung als Beleg für Runges generelle Zahlungsverpflichtung zu verwenden. Sei dies absichtlich geschehen, gehe es in Richtung Prozessbetrug und Urkundenfälschung, so Linderhaus, der unter anderem auf Insolvenzrecht spezialisiert ist. Unabhängig davon kritisiert Runge, dass weder das Finanzamt noch die involvierten Anwälte der Gegenseite die Patronatserklärung kritisch geprüft hätten. 

Runge hatte die ersten beiden Prozesse vor dem Landgericht Wuppertal und dem Oberlandesgericht Düsseldorf gewonnen. Dabei ging es jeweils um eine Teilsumme von 50.000 Euro. Anschließend hatte der ehemalige Insolvenzverwalter als Treuhänder für eine Gläubigergruppe einen dritten Prozess angestrengt, diesmal über zwei Millionen Euro. Auch in diesem Fall obsiegte Runge. Man gehe davon aus, dass die Kläger allein im letzten Verfahren auf Prozesskosten in Höhe von rund 65.000 Euro sitzen geblieben seien, hieß es. Die Berufungsfrist gegen das Urteil lief am vergangenen Freitag ab. Dass Einspruch eingelegt wurde, sei nicht bekannt.

Runge bekräftigte auf der Pressekonferenz noch einmal seine Auffassung, dass die Insolenz nicht notwendig gewesen sei. Die gut zwei Millionen Euro, die der Verein ihm tatsächlich geschuldet habe, wollte er demnach nicht zurückfordern, sofern das Finanzamt keine Schenkungssteuer hätte erheben wollen. Der Vorwurf, er sei der Totengräber des WSV gewesen, sei nicht gerechtfertigt, betonte Runge erneut und will seinen guten Ruf wiederhergestellt sehen. "Ich werde in der Stadt seit vier Jahren schief angeguckt, weil immer wieder behauptet wird, ich hätte den Verein mit fünf Millionen Schulden stehen lassen. Das ist einfach falsch."