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Fußball
Runge will seinen guten Ruf zurück

Fußball: Runge will seinen guten Ruf zurück
Friedhelm Runge bei der Mitgliederversammlung des WSV im Jahre 2011. FOTO: Dirk Freund
Wuppertal. Der ehemalige WSV-Präsident Friedhelm Runge hat vor Gericht den dritten Sieg gegen Gläubiger des Vereins erstritten. Jetzt legt er im Dauer-Streit um sein Aus beim Fußball-Regionalligisten noch einmal öffentlich nach. Von Roderich Trapp

Eigentlich könnte sich der 78-Jährige mit ganz anderen Sachen beschäftigen. Der Inhaber der EMKA-Gruppe (260 Millionen Euro Umsatz, 1.500 Mitarbeiter in 52 Ländern) jettet immer noch geschäftlich um die Welt und spielt sozusagen in der Bundesliga der inhabergeführten Unternehmen. Trotzdem lässt ihn bis heute nicht los, was 2013 nach seinem Rücktritt als Vorstand des WSV und der anschließenden Insolvenz samt juristischen Nachspiels passiert ist.

"Ich werde in der Stadt seit vier Jahren schief angeguckt, weil immer wieder behauptet wird, ich hätte den Verein mit fünf Millionen Schulden stehen lassen. Das ist einfach falsch", so Runge am Donnerstag bei einer Pressekonferenz. In der bekräftigte er seinen Standpunkt, dass die Insolenz nicht notwendig gewesen sei. Die gut zwei Millionen Euro, die der Verein ihm tatsächlich geschuldet habe, wollte er demnach nicht zurückfordern, sofern das Finanzamt keine Schenkungssteuer hätte erheben wollen. Der Vorwurf, er sei der Totengräber des WSV gewesen, sei nicht gerechtfertigt, betonte Runge erneut und will seinen guten Ruf wiederhergestellt sehen.

Bestärkt fühlt er sich durch den mittlerweile dritten Sieg vor Gericht im Streit um die so genannte Patronatserklärung: Im November hatte das Landgericht die Klage des inzwischen als Treuhänder für mehrere Gläubiger agierenden ehemaligen WSV-Insolvenzverwalters zurückgewiesen, der unter Verweis auf das Papier gut zwei Millionen Euro von Runge forderte. Das Gericht bestätigte aber, dass die Erklärung aus der Saison 2011/12 in direktem Zusammenhang mit dem damaligen Lizenzantrag für die 3. Liga gestanden habe und ausschließlich dafür gedacht gewesen sei, den Aufstiegsfall abzusichern.

Um dieses Dokument könnte sich jetzt laut Runges Anwalt Prof. Dr. Holger Linderhaus noch ein weiteres juristisches Nachspiel ranken. Irgendjemand müsse es aus der gebundenen und gesiegelten Lizenz-Akte herausgenommen haben, um sie isoliert in der juristischen Auseinandersetzung als Beleg für Runges generelle Zahlungsverpflichtung zu verwenden. Sei dies absichtlich geschehen, gehe es in Richtung Prozessbetrug und Urkundenfälschung, so Linderhaus. Nach seiner Kenntnis würde sich die Staatsanwaltschaft mit dem Fall beschäftigen. Unabhängig davon kritisiert Runge, dass weder das Finanzamt noch die involvierten Anwälte der Gegenseite die Patronatserklärung kritisch geprüft hätten.

Generellen Groll gegen den WSV hegt Runge übrigens nicht. "Da sind ein paar Männekes, die meinen, sie hätten einen Doofen als Buhmann gefunden, um dann wieder bei Null anfangen zu können. Die sind ja nicht der Verein", so Runge mit Blick auf ehemaliges und aktuelles Führungspersonal und Akteure aus dem Umfeld des Clubs. Er sei sogar zu neuerlichem Sponsoring bereit gewesen, das habe man aber abgelehnt.

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