| 20.06 Uhr

28. Tag im Springmann-Prozess
Die DNA-Spur und ein "neuer" Heizkörper

28. Tag im Springmann-Prozess: Die DNA-Spur und ein "neuer" Heizkörper
Symbolfoto. FOTO: Redaktion
Wuppertal. Unbekannte DNA und ein Auftragskiller: Man kam aus dem Staunen nicht mehr heraus am vergangenen Verhandlungstag. Dass es nach Monaten intensiver Beweisaufnahme noch derartige Überraschungen im Springmann-Prozess geben konnte, war durchaus bemerkenswert. Von Sabina Maguire und Mikko Schümmelfeder

Und man fragte sich in Anbetracht derartiger Enthüllungen, warum die Spuren am Schal von Christa Springmann und am Kissen, dass man auf ihrem gewaltsam zu Tode gekommenen Ehemann gefunden hatte, nicht schon längst Thema geworden waren. Sie dürften irgendwo auf den 5.000 Aktenseiten vermerkt worden sein. Der DNA-Experte hatte längst ausgesagt, man hätte ihn fragen können. Nun also platzte die sprichwörtliche Bombe erst, nachdem das Gericht angekündigt hatte, mit der Beweisaufnahme möglicherweise bald schon am Ende angelangt zu sein.

Der folgende 28. Verhandlungstag diente nun jedenfalls dazu, die informativen Lücken zu füllen, die sich in den vergangenen Prozesstagen aufgetan hatten. Da ging es zum einen um den Todeszeitpunkt und die Frage, wer wann gestorben ist. Üblicherweise ist eine solche Feststellung allenfalls etwas für Kriminalisten. Hier jedoch geht es auch darum, wer wen beerbt und an wenn das Erbe testamentarisch weitergereicht wird. Erbt der Sohn der Springmanns? Oder deren Enkel, der dafür von jeglicher Schuld am Tod der Großeltern freigesprochen werden müsste, um nicht als erbunwürdig zu gelten.

Im Zeugenstand saß nun zum wiederholten Male der Rechtsmediziner, um Auskunft darüber zu geben, ob sein ehemals erstattetes Gutachten noch gilt. Der Hintergrund: Im Schlafzimmer von Enno Springmann hatte man hinter einem Vorhang einen Heizkörper entdeckt. Verwunderlich, dass das den Rechtsmedizinern nicht gleich bei der Besichtigung des Tatortes aufgefallen war. Nun also ging es darum, ob eine solche Heizung einen Einfluss auf die Berechnung des Todeszeitpunktes haben könnte.

"Aus unserer Sicht hätte der Vorhang die aus dem Heizkörper austretende Wärme abgeschirmt", schloss der Gerichtsmediziner ein solches Szenario aus. Und die Nachtabsenkung? Tja, auch darüber scheint man bislang nicht nachgedacht zu haben. Das soll jetzt nachgeholt werden. Das Computerprogramm soll mit niedrigeren Raumtemperaturen "gefüttert" werden. Was sich daraus ergibt, will die Kammer an einem weiteren Termin hören.

Lücken gab‘s bislang auch in Sachen Handy-Ortung. Wurde an einem der vergangenen Verhandlungstage genau nachvollzogen, wie sich das Handy von Benjamin S. am Tattag durch Wuppertal bewegt hatte, so wusste man bislang nichts über die Handys von dessen mitangeklagtem Geschäftspartner. Im Zeugenstand saßen deshalb zwei Ermittlungsbeamte, die sich mit der Auswertung der Mobiltelefone ebenso befasst hatten wie mit den Geodaten einer in dessen BMW eingebauten SIM-Karte. Wirklich schlauer ist man jedoch auch jetzt nicht.

"Die Geodaten wurden damals nach sieben Tagen gelöscht", erklärte einer der Beamten, warum man dazu nichts Genaues sagen könne. Untersucht hatte man die Handys erst 50 Tage nach dem Mord, nachdem der 45-jährige Angeklagte nach Auffinden von dessen DNA-Spur in der Villa der Springmanns zum Beschuldigten geworden war. Ausgelesen wurde offenbar auch dessen Diensthandy, so dass man nun zumindest weiß, dass es am Wochenende der Tat ausgeschaltet war. Wieder eingeloggt am Morgen nach der Tat auf dem Weg nach Frankfurt und zurück.

Eines steht mittlerweile fest: Das Auto des Mitangeklagten konnte zur Tatzeit nicht in Tatortnähe geortet werden. Aber davon, dass er damit in die Holsteiner Straße gefahren sein könnte, war bislang ohnehin keine Rede. Vielmehr geht die Anklage davon aus, dass er gemeinsam mit Benjamin S. in dessen Auto zur Villa der Springmanns gefahren sein soll. Eindeutige Beweise gibt es dafür bislang nicht – allerdings auch nichts, dass ihn in dieser Hinsicht entlasten würde.

Die Rundschau-Radrunde