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37. Tag im Springmann-Prozess
Die Plädoyers rücken näher

37. Tag im Springmann-Prozess: Die Plädoyers rücken näher
Symbolfoto. FOTO: Redaktion
Wuppertal. Durch die längere Pause zwischen den Verhandlungsterminen im Springmann-Prozess hat sich die Verteidigung der beiden Angeklagten nicht einschläfern lassen. Im Gegenteil, die Zeit wurde genutzt, um diverse Anträge an das Gericht zu präzisieren und mit zusätzlichen Argumenten zu unterfüttern. Die waren schon zuvor in der einen oder anderen Form angesprochen worden. Von Mikko Schümmelfeder

Dabei ging's vor allem um den Todeszeitpunkt der beiden Mordopfer, der vom bestellten Gutachter nur sehr vage bestimmt worden war, weil der seine Untersuchung erst mit erheblicher Verzögerung aufnehmen konnte. Dazu benutzte er eine seit langem eingeführte Methode, die aber unter den am Tatort herrschenden Bedingungen nur eingeschränkt funktionieren kann.

Dem Gericht hatte das bislang ausgereicht, nicht aber der Verteidigung. Die wiederum favorisierte eine neuere, noch nicht so bekannte Untersuchungsmethode. Diese habe den Vorteil, dass durch Aufschlüsselung in viele kleine Untersuchungen einzelne Störfaktoren separat eingerechnet werden können. Eine genauere Todeszeitbestimmung könne so möglich sein. Und die wiederum könnte die Angeklagten entlasten.

Dass es sich hier um einen Generationenwechsel von einer analogen zu einer mehr digitalen Betrachtung handelt, interessiert sicher nur am Rande. Dass diese Untersuchungsmethode vom Gericht bislang kategorisch abgelehnt wurde, passte den Anwälten jedoch gar nicht. Die hatten schon öfter den bisherigen Gutachter angeschossen und ihm mit Blick auf diverse Details der Unwissenheit und Ignoranz beschuldigt. "Wissenschaftliche Arbeiten, die sich mit der Fahrsicherheit von Radfahrern unter Rauschmitteleinfluss beschäftigen, beweisen nicht die Kompetenz dieses Gutachters", so Prof. Dr. Klaus Bernsmann.

Ein zusätzliches Gutachten nach dem neuen Verfahren könnte das vermutlich reparieren, so die Forderung der Anwälte. Und ein unabhängiger Gutachter, der beide Methoden neutral gegeneinander abwägen könnte, wäre erst durchaus im Sinne einer fairen Verhandlung. Dadurch wäre zumindest das – nach Meinung der Anwälte - nicht zureichende erste Gutachten entkräftet.

Ein weiterer Antrag betraf die Untersuchung von Fasern, die an den Leichen und im Auto des Angeklagten Benjamin S. gefunden waren. Hier beantragte die Verteidigung eine Klarstellung, dass diese nicht zuortbaren Polyesterfasern in einer unzähligen Menge von Kleidungsstücken zu finden wären, eine tat- oder täterrelevante Beziehung wäre kaum festzustellen.

Diese Klarstellung brauchte das Gericht nicht extra auszusprechen, denn das wurde im Gutachten des Fasersachverständigen bereits festgehalten. Entscheidender der Punkt, den die Staatsanwalt nach vorne brachte: In der Jacken-Innentasche des Enkels hätten sich diese Fasern ebenfalls gefunden. Da wäre eine Täterrelevanz nicht abzustreiten.

Ein bereits abgelehnter Befangenheitsantrag wurde ebenfalls noch einmal aufgewärmt. Hatte das Gericht doch einem Angeklagten gedroht, dass sich seine Untersuchungshaft deutlich verlängern würde, wenn sich das Verfahren deshalb verzögern würde. Diesen Druck befanden die Anwälte als nicht zulässig.

Bis zum nächsten Termin am Mittwoch (10. Oktober 2018) wird jetzt noch einmal beraten, ob dies ein Grund für einen, vielleicht letzten Antrag sein könnte. Denn der Prozess nähert sich seinem Ende. Für den 17. Oktober sind die ersten Plädoyers anberaumt. Bis zur – von vielen heiß erwarteten - Urteilsverkündung ist dann nicht mehr lange.

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