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Theater in Cronenberg
Der OB spielt den Herrn Wurst

Theater in Cronenberg: Der OB spielt den Herrn Wurst
So zupackend wie hier an der Seite von Mockinpott (li., Stefan Otto) könnte man sich den OB schon fast auf dem nächsten Wahlplakat vorstellen. Wobei das Outfit für diesen Zweck wohl noch überdacht werden müsste ... FOTO: Norbert Gaertner
Wuppertal. Johannes Rau spielte gerne Skat in seiner Freizeit, Peter Jung gab gerne den Wandersmann. Hans Kremendahl war ein talentierter Stegreifdichter. Und ihr Oberbürgermeister-Nachfolger Andreas Mucke? Er spielt gerne Theater. Auf einer richtigen Bühne. Das wollten wir uns nicht entgehen lassen. Von Hendrik Walder

Sich als Schauspieler zu präsentieren, ist ja für einen Mann in diesem Amt nicht nur ungewöhnlich, sondern auch riskant, und dann noch als Akteur in einer selbsternannten Hanswurstiade! Denn so kennzeichnete Peter Weiss sein mittlerweile 50 Jahre altes Stück "Wie dem Herrn Mockinpott das Leiden ausgetrieben wird", das jetzt einfallsreich inszeniert im TiC-Atelier aufgeführt wurde.

Immerhin spielt Mucke nicht die Hauptrolle jenes Herrn Mockinpott, dem auf ebenso drastische wie unterhaltsame Weise "das Leiden ausgetrieben" wird. Ein armer Teufel, von Stefan Otto sehr treffend dargestellt, dem seine Frau ebenso übel mitspielt wie die Obrigkeit, sein Chef ebenso wie der um Hilfe gebetene Arzt. Hintergangen, verhaftet, verurteilt und betrogen wähnt er nur einen Gefährten an seiner Seite. Doch auch jenem Herrn Wurst, und jetzt kommt der Oberbürgermeister ins Spiel, sind Mockinpotts Leiden und Zweifel zunächst einerlei – eben Wurst.

Statt Mitgefühl erntet er von dieser Zufallsbekanntschaft nur Unverständnis und Hiebe auf den Kopf. Schließlich befinden wir uns in einer Art Kaspertheater mit geräuschvoll untermalten Slapstickeinlagen, dreistimmigen Bänkelgesängen und kurzweiligen Stummfilmchen.

Natürlich geht es dem Autor unterschwellig um kafkaeske Urängste, um Unterdrückung und Kritik an den politischen Systemen – aber dazu wählt er eine knittelige Versform, eine hanebüchene Handlung und eine derbe Komik. Und die liegt Andreas Mucke. Wie er dem Arzt genüsslich bei der Gehirn-OP assistiert – da möchte man nicht als politischer Gegner bei ihm unters Messer geraten. Regelrecht ansteckend auch sein gemeinsam mit Mockinpott und dem lieben Gott sich aufschaukelnder Lachanfall. Gut, Mucke lacht auch bei offiziellen Terminen gerne und viel – aber so ausgelassen darf er es denn im beruflichen Alltag eben doch nicht treiben. Und schon gar nicht geziemt es sich, seinem Gegenüber wie bei Dick und Doof den Finger ins Auge zu stecken. Aber hier ist er Mensch, hier darf er's sein. Und dass sein Kumpel Mockinpott auf all seine drängenden Fragen auch von den schwafelnden Regierungsvertretern keine vernünftigen Antworten erfährt, mag Mucke aus seinem Polit-Leben auch nicht ganz fremd erscheinen.

Das Stück "Wie dem Herrn Mockinpott das Leiden ausgetrieben wird" lief zweimal als Gastspiel im TiC aufgeführt. Weitere Vorstellungen mit Andreas Mucke sind nicht geplant.

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