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Oberbarmen
Die „Jongens“ und die Tanne

Der weihnachtliche „Wohlfühlbaum“ auf dem Berliner Platz. Streetworkerin Aline Radloff ist die Zweite von rechts. FOTO: Conrads
Wuppertal . Alle Jahre wieder: Der Weihnachtsbaum auf dem Berliner Platz soll Frieden stiften. Von Klaus-Günther Conrads

Von der Bezirksvertretung finanziert und von der Stadt aufgestellt, bekommt die Weihnachtstanne stets ihren traditionellen Schmuck von den "Jongens", wie die aus Düsseldorf stammende Sozialarbeiterin Aline Radloff ihre "Platzfamilie" nennt: "Wir schmücken den Baum seit 2015, als ich für den Sozialdienstes katholischer Frauen, kurz SkF, das Projekt 'SkF vor Ort' übernommen habe, gemeinsam, wollen das Stadtbild verschönern und zeigen, dass die Jongens sich auch kümmern. Das Anbringen der Christbaumkugeln übernehmen fast zehn der im Winter etwa 13 Platzgäste."

Die Zahl dieser regelmäßigen (Stamm-)Gäste "mit viel Freizeit" (O-Ton) hat sich mit dem Umbau des Döppersbergs ab 2014 etwas erhöht – und ist seitdem konstant.
Die Sozialarbeit auf dem Berliner Platz wurde drei Jahre lang von der "Aktion Mensch" finanziert. Zuvor hatte die Stadt ab 2013 im Rahmen ihres Kältekonzeptes Vorarbeiten geleistet. Nun gilt es für den SkF, ab 2018 eine neue Finanzierung zu finden.

Zu ihren Aufgaben sagt Aline Radloff: "Die Basisarbeit dreht sich um seelische Unterstützung, Begleitung durch Krisensituationen und Hilfen bei Ämterbesuchen. Auch auf politischer Ebene sind wir sehr aktiv, wollen das Stadtbild verschönern, an Umfeldgestaltungen mitwirken sowie Sommerfeste und andere Aktionen auf dem Platz ausrichten." Der SkF ist sicher, dass eine gemeinsame Nutzung des Berliner Platzes Ängste abbaut und ein friedliches Miteinander geschaffen werden kann. 

Aline Radloff arbeitet mit vielen Kooperationspartnern: Bürgerforum, CVJM, Diakonie, "Gleis 1", "Berliner Plätzchen" der katholischen Gemeinde St. Johann Baptist, Bezirksbürgermeisterin Christel Simon, Quartiersbüro, "Café Berlin", "Färberei" und THW.

Der Erfolg der Sozialarbeit lässt sich in der Befriedung des Berliner Platzes messen, auch wenn es daran in der öffentlichen Wahrnehmung Zweifel gibt. Aline Radloff: "Viele Menschen haben ein Schicksal, und damit nicht alleine zu sein, führt zu einer friedvolleren Stimmung." Und sie fragt zugespitzt – mit Blick auf die Weihnachtstanne: "Wer hat sonst mitbekommen, dass die Menschen am Berliner Platz auch mal etwas schön machen?"

Der SkF ist montags und donnerstags auf dem Platz, mittwochs im Büro an der Berliner Straße 207 ansprechbar. Eine höhere Präsenzzeit ist vom Fördergeld abhängig. Jeden Donnerstag kommen die Streetworker der Diakonie und von "Gleis 1" auf den Platz.

Unabhängig von der Grundförderung freut sich der überwiegend von Ehrenamtlichen getragene und seit Jahrzehnten auf Klingholzberg und Hilgershöhe Gemeinwesenarbeit leistende SkF über Spenden: SkF Wuppertal e.V., IBAN DE83 3305 0000 0000 9275 58, Verwendungszweck: "SkF vor Ort". Auch Sachspenden wie warme Kleidung, Kekse oder Weihnachtskugeln für das Schmücken des Baumes 2018 sind willkommen.

Aline Radloff hat auch eine Einladung parat: "Wer mit uns gemeinsam Kekse verteilen möchte und die Frauen und Männer einfach mal kennen lernen will, kann sich im neuen Jahr bei mir unter 0171– 562 38 01 melden."

Aline Radloff blickt auf kommende Jahr: "Ich empfehle, den Menschen am Berliner Platz mit mehr Empathie zu begegnen. Zu sagen, dass sie weg sollen, ist herzlos und menschenverachtend."