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Vohwinkel
500 Fahrräder für Flüchtlinge

Gerhard Schäfer mit den gespendeten Fahrrädern. FOTO: Kaja Hempel
Wuppertal. Für viele Flüchtlinge und Ehrenamtliche ist der Donnerstag im Fahrrad-Reparatur-Treff der Flüchtlingshilfe West ein fester Termin. 

Die offenen Lagerhallen der ehemaligen Schreinerei sind knapp fünf Meter hoch. An den Holzwänden hängen zahlreiche Fahrräder. Auf dem Boden liegen Luftpumpen und Fahrradschläuche. Es riecht nach Kettenfett.

"Der Fahrrad-Reparatur Treff ist eine Herzenssache, wir machen das gerne und es erfüllt einen", erzählt Gerhard Schäfer, einer der Leiter des Fahrrad-Treffs der Flüchtlingshilfe-West. Der ehemalige Berufsschullehrer investiert viel Zeit in die Arbeit mit Flüchtlingen. Einmal in der Woche, immer donnerstags, treffen sich Flüchtlinge und Ehrenamtliche, um an Fahrrädern zu basteln oder kleine Touren zu unternehmen.


Begonnen hat alles 2015, als viele Flüchtlinge in die Flüchtlingsunterkunft an der Edith-Stein-Straße einzogen. Eine Unterkunft hatten sie nun, aber auch mobil sollten sie sein. Die Idee, die Geflüchteten mit Fahrrädern auszustatten, stieß sofort auf Begeisterung. Viele Wuppertaler waren bereit, ihre alten Drahtesel abzugeben. Bis heute wurden über 500 Fahrräder gespendet.


Da sich natürlich nicht alle Räder in einem fahrbereiten Zustand befanden, setzten sich Flüchtlinge und Helfer gemeinsam zusammen, um die alten Fahrräder wieder auf Vordermann zu bringen. Schnell sprach sie die Idee auch über die Stadtteilgrenzen hinaus rum. Für einige Flüchtlinge, die inzwischen nicht mehr in der Edith-Stein Straße wohnen, ist der Donnerstags-Treff ein fester Termin geworden.


Doch nicht nur Flüchtlinge profitierten von den Fahrradspenden, auch die Kindertafel Vohwinkel und einige alleinerziehende Mütter freuten sich riesig über gespendeten Fahrräder.


Um Chaos zu vermeiden, ist die Vergabe der Fahrräder genau geregelt. Jeder darf sich nur ein Fahrrad abholen. Die Vergabeordnung ist an ein Brett im Schuppen gepinnt und auf drei Sprachen abgedruckt: Deutsch, Englisch und Arabisch. Wer ein Fahrrad bekommt, erhält dazu ein Zertifikat. "Das Zertifikat ist eine Empfangsbestätigung, damit die Geflüchteten nachweisen können, dass sie ihr Fahrrad nicht gestohlen, sondern von der Flüchtlingshilfe erhalten haben", erklärt der ehemalige Berufsschullehrer.


Damit auch die Sicherheit im Straßenverkehr nicht zu kurz kommt, gab es 2015 ein Fahrradtraining mit einem Beamten der Wuppertaler Polizei. Gemeinsam mit den Flüchtlingen fuhr er durch Vohwinkel und erklärte die Verkehrsregeln für Fahrradfahrer. Doch auch über den Fahrrad-Treff hinaus hilft Gerhard Schäfer den Flüchtlingen: "Wir halten Kontakt und ich höre und sehe, wie es ihnen geht".


Neben dem Fahrrad-Reparatur Treff bietet der Verein Flüchtlingshilfe Wuppertal-West ein breites Spektrum an Hilfe-Angeboten. Im Willkommens-Café können die Flüchtlinge bei Kaffee und Kuchen ihre Sorgen und Alltagsprobleme vortragen. Über einen Verteiler von ungefähr 80 Leuten wird dann nach einer Lösung gesucht. Auch die wöchentliche Rechtsberatung im Café Fambiente ist immer gut besucht. Die sogenannten Berufslotsen betreuen arbeitssuchende Flüchtlinge und versuchen, sie in eine Arbeit oder eine Ausbildung zu vermitteln.


Die Grundidee, für jeden Bedarf eine Hilfsgruppe zu erstellen, hat sich bewährt. Wolfgang Kaiser, Vorsitzender des Vereins, erklärt, dass sich die Ziele mit den Jahren weiter entwickelt haben: "Von der Sprache zur präventiven Armutsvermeidung. Es ist notwendig zu verstehen, dass die Hilfe für die Flüchtlinge eine Hilfe für die ganze Gesellschaft ist", sagt er. Die Hauptarbeit des Vereins wird von Ehrenamtlichen getragen und inzwischen ist der Helferumkreis auf knapp 200 gewachsen. 

Die Flüchtlingshilfe West freut sich immer über Fahrradspenden. Wer noch einen alten Drahtesel abzugeben hat, kann sich an Gerhard Schäfer wenden, Mobil: 0173 2966811 oder an [email protected]