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Vohwinkel
Es fährt ein Zug nach Wuppertal

Vohwinkel: Es fährt ein Zug nach Wuppertal
Zwei S-Bahnen begegnen sich auf der Strecke nach Wuppertal. Bald fährt auch die Regio-Bahn an ihnen vorbei. FOTO: Mikko Schümmelfeder
Wuppertal. Im Herbst 2019 soll die Regiobahn-Strecke über Dornap und Vohwinkel in Richtung Wuppertal Hauptbahnhof endlich fertiggestellt sein. Von Sabine Maguire

Früher fuhren sie im Stundentakt von Mettmann nach Kaarst. Nur wenige Monate später dann alle 20 Minuten. Seither sind beinahe zwei Jahrzehnte vergangen, in denen die Regiobahn eine beeindruckende Erfolgsgeschichte geschrieben hat. Waren es anfangs noch 500 Leute, die täglich auf der Strecke unterwegs waren, so zählt man dort mittlerweile mehr als 23.000 Fahrgäste. Eine Steigerung, die deutschlandweit einmalig ist.

Schnell kam die Idee auf, die Strecke über Dornap und Vohwinkel in Richtung Wuppertal-Hauptbahnhof auszubauen. Mittlerweile ist die Erweiterung in vollem Gange – allerdings mussten die Zeitpläne mehrmals über den sprichwörtlichen Haufen geworfen werden. Nach dem Spatenstich im Januar 2015 sollte der erste Zug eigentlich schon zwei Jahre später rollen. Mittlerweile ist die Regiobahn mit ihren Plänen beim Fahrplanwechsel im Herbst 2019 angelangt.

Dass es oft wettertechnisch nicht so gut lief, ließ Joachim Korn dennoch nicht verzweifeln. Seit mittlerweile vier Jahren treibt der frühere Regiobahn-Geschäftsführer das Großprojekt voran und bislang gab‘s noch immer für alles eine Lösung. Eigentlich im Ruhestand und nebenbei Projektleiter für die Streckenerweiterung? Da gäbe es sicherlich entspanntere Lebensentwürfe.

Umgeworfene Pläne, unerwarteter Fledermausbesuch, Überraschungen auf der Baustelle: An Entspannung war in den vergangenen Monaten und Jahren jedenfalls kaum zu denken. Aber irgendwie haben sie es dennoch immer hinbekommen bei der Regiobahn.

Über die Meldung aus dem vergangenen Herbst, dass das Unternehmen zwischenzeitlich kurz vor der Insolvenz gestanden haben soll, kann Joachim Korn nur den Kopf schütteln. "Dabei ging es lediglich um Einlagenerhöhungen bei der Fahrbetriebsgesellschaft. Die eigentliche Regiobahn GmbH bleibt davon vollkommen unberührt", klärt er über Missverständnisse auf, die für Verwirrung gesorgt und bereits das Ende einer Erfolgsgeschichte prophezeit hatten.

Derweil sind die Vorbereitungen für die Straßenverlegung von Dornap in Richtung Düssel in vollem Gange. Ist die neue Straße irgendwann fertig, soll auch die Kreuzung verlegt werden. Große Einschränkungen soll es bis dahin nicht geben, langfristige Sperrungen sind nicht vorgesehen.

Sichtlich erleichtert war man bei der Regiobahn darüber, dass nicht wie ursprünglich geplant 1,4 Millionen Tonnen Erde umgelagert werden mussten, sondern nur etwa 500.000. Weil die Gleise nicht mehr als Ausweichstrecke für Güterzüge vorgehalten werden müssen, gibt es nun mehr Steigungen von bis zu 35 Prozent und daher weniger Erdaushub. Allerdings musste dieser Bauabschnitt komplett neu geplant werden. Das ist einer der Gründe, warum die Strecke nun erst zwei Jahre später als ursprünglich angekündigt zum Fahrplanwechsel im Dezember 2019 eröffnet werden soll.

Gerade erst gab‘s auch mal wieder einen ungeplanten Halt auf halber Strecke. Zwei beauftragte Baufirmen waren insolvent geworden, die Aufträge mussten neu ausgeschrieben werden. Aus Sicht von Projektleiter Joachim Korn hören sich die Hiobsbotschaften so an: "Erst ist die Firma pleite gegangen, die wir mit den Erdarbeiten und eigentlich auch mit dem Gleisbau beauftragt hatten. Und dann auch noch das Unternehmen, das die Stützwand gießen sollte."

Schon in den vergangenen Monaten war zu sehen, dass es mit den Erdarbeiten plötzlich nicht mehr voran ging. Davor war alles wie am sprichwörtlichen Schnürchen gelaufen. Der Haldendurchbruch war fast geschafft, unentwegt wurde Abraum abgekippt. Und dann geriet das Unternehmen, das von der Regiobahn mit diesen Arbeiten beauftragt worden war, wegen eines zahlungsunwilligen Kunden in Schieflage. Hinzu kam, dass die Stützwand zwischen Hahnenfurth und Dornap teilweise gegossen worden war, als auch diese Firma Pleite ging. Deren Chef wurde direkt auf der Baustelle verhaftet, Sozialbeiträge sollen angeblich nicht korrekt gezahlt worden sein.

Einerseits ist es die Zeitverzögerung, die Joachim Korn als Projektleiter verständlicherweise ärgert. Andererseits sei es aber auch so, dass bei den vorherigen Ausschreibungen andere Preise gegolten hätten. Die Baubranche boomt, als Auftraggeber müsse man nun tiefer in die Tasche greifen. Hinzu komme noch, dass die Firmenpleiten ausgerechnet in die warmen Sommermonate gefallen seien, in denen die Arbeiten hätten gut vorangehen können.

Nun läuft‘s also wieder auf der Baustelle. Und wenn das so bleibt, sollen die Erdarbeiten bis zum Jahresende abgeschlossen sein. Weiter geht es dann mit dem Parkplatz, der Treppenanlage und der Elektrifizierung. Überraschungen hatte es zwischenzeitlich auch mit den unterirdisch verlegten Stromleitungen gegeben, auf die man entlang der Streckenerweiterung gestoßen war. Auf keinem Plan eingezeichnet, niemand wollte dafür verantwortlich sein und ob noch Strom durch sie hindurchfloss, wusste man auch nicht so genau. "Wir haben eine ferngesteuerte Schneidemaschine besorgt und sind in Deckung gegangen", erzählt Joachim Korn von Momenten, die sich niemand wünscht.

Als Laie fragt man sich, warum man den Stromdurchfluss nicht vorher prüfen kann. Das sei nicht zweifelsfrei möglich gewesen, entgegnet Korn. Gänzlich unproblematisch scheint hingegen die so genannte Einschleifung auf die DB-Strecke in Dornap zu laufen. Die Fahrleitungsmasten stehen, die Weichen sind eingebaut, und sobald die Straße nach Düssel verlegt wurde, kann der Anschluss hergestellt werden. Die Vorbereitungen im Stellwerk sind bereits abgeschlossen.

Ach ja, die Regiobahn hatte zwischenzeitlich auch einen freistehenden Fledermausbunker zu vermieten. Nachdem die fliegenden Nachtschwärmer dort geortet worden waren, musste die verrostete Eisentür durch eine neue Stahltüre mit Einflugloch ersetzt werden. Dann waren sie weg und das Luxusdomizil stand leer. Eigentlich müsste auch noch das Licht am alten Bahnhof Hahnenfurth gedimmt werden, um den Tag-Nacht-Rhythmus nicht zu stören. Bevor es dazu kommt, will Joachim Korn aber erst noch nachschauen, ob es im Fledermausbunker überhaupt Nachmieter gibt.

Die Geschichte stammt aus der neuen Ausgabe des "Fuchs", dem Stadtteilmagazin der Rundschau und der "Aktion V" für Vohwinkel.

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