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Neues Stück der "Trockenblumen"
Alte unverschämte Frauen

Lilay Huser und Marcia Golgowsky auf ihrem Beobachtungsposten am Fenster. Ist die neue Nachbarin Ricarda harmlos oder vielleicht gemeingefährlich? FOTO: Antje Zeis-Loi
Wuppertal. Wenn die beiden in die Jahre gekommenen Freundinnen Ayse Horozoglu und Hilde Ronsberger gemeinsam auf der Bühne stehen und Imam-Gesänge über den Evolutionstheoretiker Charles Darwin anstimmen, kann es sich nur um ein neues Stück des Duos "Die Trockenblumen" handeln. Von Hannah Florian

Mit "Fensterkissen zum Hof", produziert vom Wupper Theater, präsentieren Lilay Huser und Marcia Golgowsky bereits ihr fünftes Programm und überzeugen mit einer wahnwitzigen Kriminalstory.

"Wusstest du, dass Erdogan die Evolutionstheorie aus den Schulbüchern streicht?", fragt Ayse ihre Freundin Hilde bei einem gemeinsamen Glas Sherry, woraufhin eine locker-flockige Diskussion über das Christentum und den Islam entsteht, über bionationale Ehen deutsch-türkische Freundschaften und die Gefahr, dass Ayse vermutlich von Erdogan-Spitzeln in ihrer eigenen Wohnung ausspioniert wird.

Am 15. November feierte "Fensterkissen zum Hof" im Haus der Jugend in Barmen Premiere – und in erster Linie geht es in dem Kabarett-Stück nicht um Religion und Evolution, sondern um die dubiose neue Nachbarin Ricarda – oder Rischarda, wie Ayse sie nennt – die immer wieder unter fadenscheinigen Vorwänden bei Ayse klingelt und sie darauf hinweist, das im Hinterhof merkwürdige Dinge vor sich gehen.

Zum Glück hat Ayses Freundin Hilde noch den Detektioffer ihres Sohnes Richard verwahrt – samt Fingerabdruckpulver, Handschellen und Phantombildschablone – und so setzen sich die beiden Freundinnen ans Fenster zum Hof und beobachten die Vorgänge am alten Schuppen sowie die verdorrten Blumenbeete, in denen plötzlich frische Blumen blühen (wurde da vielleicht etwas vergraben?).

Während Ayse der neuen Nachbarin noch aufgeschlossen begegnet, ist Hilde von Anfang an überzeugt, dass "dat Ricarda" etwas im Schilde führt. Wie Miss Marple stolziert sie über die Bühne und trällert ins Publikum: "Ich löse für Sie jeden Fall, Hilde Ronsberger!"

Lilay Huser als Ayse und Marcia Golgowsky, doppelt besetzt als Hilde und Ricarda, sorgten am vergangenen Mittwoch für unzählige Lacher im ausverkauften Saal des Haus der Jugend in Barmen und gaben mit dem Song "Freche alte Frauen ganz schön unverschämt" allen Gästen einen hartnäckigen Ohrwurm mit auf den Heimweg.