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Heiße Tollen und Rollen

Top Magazin: Heiße Tollen und Rollen
Auf Rollen ins Wahrzeichen. FOTO: Manfred Görgens
Wuppertal. Drei. Zwei. Eins. Hopp. Lanas Treppensprung würde jeden Lebensversicherer ängstigen, denn als Skaterin landet die junge Dame eben nicht auf den Füßen, sondern auf Rollen. Der wundersame Auftritt hoch auf dem Absatz der Loher Treppe lässt tief durchatmen und bestätigt Tom Tykwers Bild von Wuppertal als "San Francisco Deutschlands". Von Manfred Görgens

Mit ihren knapp 17 Jahren ist die wagemutige Lana Berger das Küken bei Showskating, einem Team von Rollkunstläuferinnen, die national wie international Meisterschaften gewonnen und Medaillen gesammelt haben, die aber auch bei Promo-Aktionen, US-Car-Treffen oder Messen auftreten. Und dann regelmäßig Mittelpunkt des Geschehens sind.

Dabei räumt Chefin Nina Vesper ein, dass sich ihre Ladies einer eher unbekannten Sportart verschrieben haben. "Rollkunstlauf hat eine sportliche, dynamische Eleganz. Am besten kann man das mit Holiday on Ice oder Starlight Express vergleichen." Der Hinweis kommt nicht von ungefähr, denn die Mädels gehören neben dem Original-Cast zu den einzigen Rollschuhläufern, die je die Bahnen des Starlight-Express-Theaters berollen durften.

Bilder:

Wuppertals Showskater FOTO: Manfred Görgens

Beim Shooting am Loh spürt man die Irritation, die das publikumsgewohnte Team bei Passanten hervorruft. Vorsichtige Annäherung, distanziertes Handy-Filmen, testosterongesteuerte Zwischenrufe. "Kennen wir nicht anders", kommentiert Vanessa Steinmann den Spießrutenlauf. Auslöser ist nicht nur die geballte Weiblichkeit auf Rollen, vielmehr sind es auch die Kostüme und die "Frisen".

Diese Kopf-Deko liegt ganz in der Hand von Lisa Chantal Janzen. Das verrückte Huhn, das sich selbst ein "Alice-im-Wunderland-Syndrom" attestiert, bekommt auf Rollschuhen deutlich Abzüge in der B-Note und gehört deshalb nicht zum rollenden Kern der Frauschaft. Aber ohne ihre meisterhaften Frisuren wäre Showskating vielleicht nur ein Ei ohne das Gelbe.

Kaum sind die letzten Strähnen im 50er Diner-Stil drapiert, geht den Zuschauern das Herz auf. Exakt so war sie, die Ära Elvis (nicht Eifel, sondern Presley). Die – "Wompbomp- a-loom-op-a-womp-bam-boom, Tutti Frutti" – tragen die Girls als Muster auf ihren wehenden Kleidern. Aber bei 4.000 Zuschauern, der bisherigen Rekordmarke, geht dieses Kleingedruckte auch schon mal unter.

Wie schön also, die Truppe auf den Straßen ihrer Heimatstadt oder in der Schwebebahnstation anzutreffen. Noch besser: Showskating können für Hausbesuche gebucht werden, etwa als Kellnerinnen auf Rollschuhen. Grenzen setzt dabei allenfalls die Phantasie des Auftraggebers, der sich übrigens außer den 50ern auch andere Epochen und Mottos wünschen darf.

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