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Top Magazin: Umjubelter Star an der Wiener Oper
Melba Ramos: "Wuppertal immer zweite Heimat"

Top Magazin: Umjubelter Star an der Wiener Oper: Melba Ramos: "Wuppertal immer zweite Heimat"
Drei Stunden vor dem Auftritt unterhielt sich Melba Ramos im Café Weimar mit dem Top Magazin. FOTO: Göntzsche
Wuppertal / Wien. Sie war ein Publikumsliebling der Wuppertaler Oper. Gleich zwei Mal wurde Melba Ramos an den Wuppertaler Bühnen engagiert: Allein das ist schon ungewöhnlich. Seit 14 Jahren aber lebt sie an der Donau – als Ensemble-Mitglied der Wiener Volksoper und als Universitäts-Professorin für Gesang. Dennoch gesteht die gebürtige Puertoricanerin: "Wuppertal wird immer meine zweite Heimat bleiben." Von Klaus Göntzsche

Drei Stunden vor einer Vorstellung der "Fledermaus" von Johann Strauß mit ihr als Rosalinde treffen wir sie im traditionsreichen Café Weimar in unmittelbarer Nähe der Volksoper. Die Erinnerungen an ihre Wuppertaler Zeit sind schnell lebendig: "Es war nach dem Opernstudio 1992 in Köln mein erstes festes Engagement. Durch eine Agentur bin ich nach Wuppertal gekommen. Gewohnt habe ich damals in der Meckelstraße und in der Gewerbeschulstraße."

Als Musetta in "La Boheme" von Puccini feierte das Wuppertaler Publikum sie schon bei der Premiere am 12. Dezember 1992 auf der Bühne des Barmer Opernhauses. Es war eine Inszenierung von Friedrich Meyer-Oertel, der trotz einiger Bedenken dem Hause treu geblieben war, das Holk Freytag als Generalintendant führte. An die ersten Wuppertaler Gagen hat sie positive Erinnerungen: "Die waren gar nicht so schlecht für den Anfang." Künstlerisch wichtig waren für die junge Sopranistin auch die Rollen als Gilda in "Rigoletto" ("Theo van Gemert war mein Vater"), die Lucia in "Lucia di Lammermoor" und die Pamina in der "Zauberflöte."

Mit dem Ende der Spielzeit 1995/96 zog sie – der Liebe wegen – nach Würzburg und wurde freischaffend. Aber auch auf dem nicht einfachen freien Markt war Melba Ramos schnell gefragt. Es ging neben vielen anderen Stationen (Berlin, London, Barcelona, Valencia, Wien, Bonn, Osnabrück, Mannheim, Bielefeld und Kassel im Jahre 2002 zu den Salzburger Festspielen als Fiordiligi in "Cosi fan Tutte" von Mozart. Von 2001 bis 2003 kehrte sie dann noch einmal nach Wuppertal zurück. Gerd Leo Kuck war der Intendant, Klaus-Peter Kehr der Opernchef und Oberspielleiter der spätere Wuppertaler Opernintendant Johannes Weigand, jetzt Intendant am Anhaltinischen Theater in Dessau.

Umschwärmt: Melba Ramos (Bildmitte) in der „Fledermaus“-Schlussszene. FOTO: Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Für Melba Ramos erneut eine kurzweilige und erfolgreiche Zeiten. Mit eine ihrer Paraderollen als Fiordiligi in "Cosi fan Tutte" sowie als bejubelte Cleopatra in "Cleopatra et Cesare" mit Veronika Waldner als maskuliner Cesare. Ein Höhepunkt auch die Rosina in der Weigand-Inszenierung von "Il Barbiere di Siviglia" von Rossini. Ein wenig Wehmut kommt auf, wenn man in diesem Zusammenhang die damaligen Kollegen Thomas Laske, Kay Stiefermann und Elena Fink nennt. Es gab Standing Ovations für alle.

Mittlerweile war Melba Ramos Mutter der heute 20-jährigen Tochter Marlena geworden – mit besonderen Erinnerungen an einen Vertrag für 30 Vorstellungen als "Königin der Nacht" in der Zauberflöte an der Bonner Oper: "Nach 27 Vorstellungen ging es nicht mehr. Der Bauch war zu dick geworden. Insgesamt drei Sängerinnen waren fast gleichzeitig schwanger geworden."

Da kam das Engagement an der Wiener Volksoper für Melba Ramos zum richtigen Zeitpunkt. Mit der Tochter suchte sie neben der Leidenschaft für Mozart auch die soziale Absicherung des festen Engagements. Von der Traviata bis zur Madame Butterfly hat sie dort ein großes Repertoire abgedeckt. Seit 2001 singt sie auch die Rosalinde in der "Fledermaus", ein Dauerbrenner auf der Volksoper-Bühne. Wir erlebten die 502. Vorstellung der Inszenierung dieses Hauses...

Melba Ramos 2006 als Stella in einer Johannes-Weigand-Inszenierung von „Hoffmanns Erzählungen“. FOTO: Milena Holler / Wuppertaler Bühnen

In Wien hat sich die Mittelamerikanerin mittlerweile gut eingelebt. Obwohl sie sagt: "Anfangs habe ich die Wiener kaum verstanden." Das hat sich grundlegend verändert, denn Melba Ramos hat eine Professur für das Fach "Sologesang" an der Privatuniversität "Musik und Kunst der Stadt Wien" angetreten. Duplizität der Ereignisse: Mit der gebürtigen New Yorkerin Claudia Visca ist eine weitere Kollegin aus gemeinsamen Wuppertaler Zeiten bereits seit 2003 als Professorin an der Universität für Musik und darstellende Kunst tätig.

Wuppertal hat Melba Ramos zuletzt 2013 bei einem Gastspiel als Amelia in der Oper "Ein Maskenball" von Verdi erlebt. Vorsichtig fragt sie nach: "Alles war so tot. Ist das immer noch so?" Ebenso zweifelnd erkundigt sie sich nach dem Schauspielhaus, wo sie bei ihrem zweiten Engagement wegen der Opernhaus-Renovierung auftrat. Und besonders intensiv erkundigt sie sich nach dem Tanztheater – schließlich hatte sie auch mit Pina Bausch zusammengearbeitet.

Am Ende des Gesprächs aber kam eine Frage, die nichts mit der Oper zu tun hatte: "Gibt es den Hellas-Grill noch? Da waren wir sehr oft." Das zumindest konnte zweifelsfrei bejaht werden.

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